Souschef:in
Strukturierte Interviewfragen für Souschef:in — mit dem Signal, auf das eine starke Antwort jeweils hinweist.
VerhaltensbezogenBrigade-Führung im Rush Beschreiben Sie einen Service, in dem die Brigade in der Spitze unter Druck stand (volle Auslastung, Ausfall einer Station, Reklamation am Pass). Wie haben Sie operativ entschieden, was zuerst rausgeht?
Worauf eine starke Antwort hinweistFähigkeit zur Hierarchisierung am Pass ohne Panik: explizites Kriterium für Pass-Reihenfolge (Tisch-Synchronität, Garzeiten, Wartezeit am Tisch), physische Präsenz am Pass statt Steuerung aus der Vorbereitung, klare Kommunikation an Stationen und an Service. Bonus: die:der Kandidat:in hat eine konkrete Maßnahme zur Vermeidung der Wiederholung umgesetzt (Mise en Place früher, Karten-Reduktion an stressigen Tagen, Cross-Training). Wer ich habe alle motiviert antwortet ohne Mikro-Entscheidungen am Pass zu benennen, hat keine echte Stellvertretungs-Verantwortung praktiziert.
VerhaltensbezogenFood-Cost-Steuerung Erzählen Sie von einem Moment, in dem Sie eine Abweichung beim Wareneinsatz, beim Schwund oder bei den Portionen entdeckt haben. Wie haben Sie das aufgearbeitet?
Worauf eine starke Antwort hinweistWachsamkeit und Strukturierung der Eskalation: Die:der Kandidat:in beschreibt die Entdeckung (wöchentliche Inventur, Pass-Bons-Kontrolle, Vergleich Soll und Ist pro Station), quantifiziert die Abweichung in Prozent und schlägt eine Maßnahme vor (Portionierungs-Audit an der betroffenen Station, Lieferanten-Vergleich, Schwund-Protokoll). Bonus: Sie:er hat eine wiederkehrende Kontrolle eingeführt. Wer noch nie eine Abweichung gesehen hat, hat in sehr eng geführten Konzern-Konzepten gearbeitet oder hat keinen Zahlen-Reflex.
VerhaltensbezogenBrigade-Führung im Rush Beschreiben Sie eine schwierige Entscheidung zu einem Brigade-Mitglied (Trennung in der Probezeit, Versetzung zwischen Stationen, Schicht-Konflikt zwischen Chef de Partie und Commis). Warum war sie schwierig, und wie haben Sie sie umgesetzt?
Worauf eine starke Antwort hinweistFähigkeit, die Entscheidung von persönlicher Bindung zu trennen, in einer Brigade mit dichten Teams und langer Schichtzeit. Bonus: Die:der Kandidat:in erwähnt die Verzögerung zwischen Signal und Entscheidung (gute Souschef:innen schlagen die Entscheidung schnell an die:den Küchenchef:in vor, unerfahrene warten bis zur Rush-Hour-Eskalation am Pass). Strukturierte Kommunikation an die verbleibende Brigade über das, was sich ändert, und warum.
SituativBrigade-Führung im Rush Während des Hauptganges fällt der Saucier mit akuter Erkrankung aus. Sie haben 35 Couverts im Pass und keine Aushilfe. Wie reagieren Sie in den nächsten 15 Minuten?
Worauf eine starke Antwort hinweistSofort-Maßnahme: Übernahme der Station Saucier durch Sie persönlich, Umverteilung der Garde-Manger-Aufgaben auf einen Commis, Briefing der:des Küchenchef:in oder der:des Servicechef:in über mögliche Verzögerung, Karten-Reduktion auf 2-3 Hauptgang-Optionen falls absehbar. Nach Service: strukturierte Diagnose (was hätte früher signalisiert werden können, Cross-Training-Lücke schließen). Wer sofort den Service stoppt oder Gäste vertröstet ohne erst die Brigade umzuorganisieren, zeigt fehlende Stellvertretungs-Reife.
SituativFood-Cost-Steuerung Der Wareneinsatz ist in den letzten drei Monaten von 30 % auf 35 % gestiegen, ohne dass Karte oder Umsatz sich verändert haben. Welche Diagnose machen Sie in den nächsten 14 Tagen, gemeinsam mit der:dem Küchenchef:in?
Worauf eine starke Antwort hinweistStrukturierte Diagnose vor Maßnahme: (1) Lieferanten-Audit (Preiserhöhungen ohne Vertragsanpassung), (2) Portionierungs-Kontrolle pro Station, (3) Schwund-Quote (Verderb, Mitarbeiter-Essen, fehlerhafte Pass-Bons), (4) Mix-Analyse (Verschiebung zugunsten teurer Margen-schwacher Gerichte). Bonus: die:der Kandidat:in trennt strukturelle Ursachen (Lieferantenpreise) von operativen Ursachen (Portionierung, Schwund) und positioniert sich klar als Co-Verantwortliche:r mit der:dem Küchenchef:in, nicht als Beobachter:in. Wer sofort die Karte ändert oder die Brigade ermahnt, ohne zu diagnostizieren, schafft Reibung ohne Effekt.
SituativStellvertretung Küchenchef:in Die:der Küchenchef:in ist für zwei Wochen abwesend (Urlaub, Krankheit, externer Einsatz). Sie übernehmen die Brigade in voller Verantwortung. Welche drei Prioritäten setzen Sie für die zwei Wochen?
Worauf eine starke Antwort hinweistKlare Hierarchisierung: (1) operative Kontinuität (Karte, Lieferantenbestellungen, HACCP, Schicht-Plan halten), (2) keine eigenmächtigen Karten- oder Lieferanten-Wechsel, (3) tägliche schriftliche Übergabe an die:den Küchenchef:in (kurze Notiz: was lief, was abweicht, was zu entscheiden ist bei Rückkehr). Bonus: die:der Kandidat:in erkennt, dass diese zwei Wochen die einzige Phase sind, in der Schwächen der Brigade sichtbar werden, ohne dass die:der Küchenchef:in interveniert (gute Beobachtungschance). Wer pauschal alles neu macht oder die Stellvertretung nicht ernst nimmt, ist nicht stellvertretungs-reif.
CaseFood-Cost-Steuerung Sie übernehmen die Souschef:innen-Stelle in einem Haus mit 100 Sitzplätzen, 1,5 M€ Jahresumsatz, Wareneinsatz 33 %, 9-köpfiger Brigade. Die:der Küchenchef:in will den Wareneinsatz binnen 6 Monaten auf 30 % senken, ohne die Karten-Qualität zu verlieren. Wie rahmen Sie das?
Worauf eine starke Antwort hinweistStrukturierte Diagnose der drei Hebel mit Realismus pro Hebel: Portionierung (Standards pro Gericht, Waage am Posten, Pass-Kontrolle), Schwund (Verderb-Protokoll, Reste-Verwertung, Mitarbeiter-Essen abgrenzen), Lieferanten (Audit der Top-10-Positionen, Saison-Hebel, Alternativen). Quantifizierte Ziele pro Hebel, Sequenzierung im Quartal. Bonus: die:der Kandidat:in erkennt, dass 3 Prozentpunkte ohne Karten-Anpassung schwer sind und schlägt der:dem Küchenchef:in eine Karten-Mix-Analyse als ergänzenden Hebel vor. Wer sofort die Karte ändert ohne zu rahmen, oder wer 3 Prozentpunkte allein über Portionierungs-Kürzungen erreichen will, zeigt fehlende Methodik.
CaseMenü-Kreativität und Saisonalität Die Karte des Hauses war bisher klassisch ganzjährig. Die:der Küchenchef:in will jetzt auf eine saisonale 4-Wochen-Rotation umstellen. Welche Schritte planen Sie als Souschef:in, um das ohne Brigade-Überforderung umzusetzen?
Worauf eine starke Antwort hinweistMethodische Diagnose: (1) Mengen-Analyse der bestehenden Karte (Bestseller-Gerichte beibehalten, Schwerlast-Gerichte streichen), (2) Lieferanten-Mapping pro Saison (regionale Verfügbarkeit, Preis-Schwankung, Mindest-Abnahmemengen), (3) Brigade-Schulung pro Rotation (Mise-en-Place-Wechsel, neue Techniken, Pass-Test eine Woche vor Karten-Wechsel), (4) HACCP-Anpassung (neue Allergene, neue Kühl-Anforderungen, neue Schulungsnachweise). Bonus: die:der Kandidat:in plant Pufferwochen zwischen den Rotationen und schlägt der:dem Küchenchef:in eine Pilot-Rotation auf einer Karte vor dem Voll-Roll-out vor.
CaseHACCP und Hygiene Sie übernehmen eine Brigade, in der die HACCP-Dokumentation, die Kühlketten-Protokolle, die Wareneingangskontrolle und die Reinigungspläne nur lückenhaft geführt werden. Welcher 60-Tage-Plan stellt das wieder her?
Worauf eine starke Antwort hinweistStrukturierte Methode: (1) Audit der bestehenden Dokumente (oder ihres Fehlens), (2) Priorisierung nach Risiko (Wareneingang und Kühlkette zuerst, dann Reinigung, dann Schulung), (3) Standardisierte Vorlagen für die wiederkehrenden Pflichten (Tagesprotokolle Kühlung, monatliche Schulungsnachweise pro Station), (4) Einbindung der:des Küchenchef:in als Mit-Verantwortlich und der Stationsleitungen als Pflicht-Träger. Bonus: die:der Kandidat:in kennt die wichtigsten Verordnungen (EU 852/2004, IfSG, LMHV) und weiß, dass ein Veterinäramt-Besuch ohne Dokumentation zur Schließung führen kann. Wer pauschal HACCP ist Sache der:des Küchenchef:in antwortet, verfehlt die Mit-Verantwortung der Stellvertretung.
FachlichKulinarische Technik Beschreiben Sie Ihren typischen Tagesablauf an einem Service-Tag, von Beginn der Mise en Place bis nach dem Service. Was machen Sie wann, mit wem?
Worauf eine starke Antwort hinweistGesunde Kadenz: morgendliche Wareneingangs-Kontrolle und Inventur-Check, Pre-Service-Briefing mit Brigade (Karten-Highlights, Reservierungs-Volumen, Allergene-Hinweise, Spezial-Wünsche), Stations-Check eine Stunde vor Service, Pass-Position während Service, Debrief nach Service (was lief, was nicht), abschließende Reinigungs- und Vorbereitungs-Kontrolle für den Folgetag. Wer keinen klaren Rhythmus beschreibt oder den Pre-Service-Briefing auslässt, hat keine echte Stellvertretungs-Praxis.
FachlichKulinarische Technik Welche Stationen haben Sie selbst geführt, und welche Techniken beherrschen Sie auf welchem Niveau (Saucier, Patissier, Garde Manger, Entremetier, Rôtisseur)? Welche müssten Sie auffrischen?
Worauf eine starke Antwort hinweistEhrliche Selbsteinschätzung über die klassischen Brigade-Stationen, mit konkreten Techniken pro Station (Saucier: klassische Grundsaucen, Reduktionen, Emulsionen ; Patissier: Teige, Cremes, Schaum-Texturen ; Garde Manger: Tartare, Carpaccio, kalte Vorspeisen ; Entremetier: Beilagen, Gemüse-Garung, Suppen ; Rôtisseur: Garmethoden Fleisch und Fisch, Niedrigtemperatur). Bonus: die:der Kandidat:in nennt eine Station, die sie:er bewusst auffrischen will, und sagt warum. Wer behauptet, alles auf Höchstniveau zu beherrschen, ist entweder neuralgisch oder hat in keiner ernst zu nehmenden Brigade gearbeitet.
FachlichBrigade-Führung im Rush Beschreiben Sie die Onboarding-Routine, die Sie für eine:n neue:n Commis oder eine:n neue:n Chef de Partie aufsetzen würden. Was sind die Meilensteine in den ersten 30 Tagen in der Brigade?
Worauf eine starke Antwort hinweistKlare Struktur: (1) vor T0: Vertrag, Anmeldung Sozialversicherung, HACCP-Basics-Schulung organisiert, Allergene-Liste vorbereitet, (2) T0: persönlicher Empfang, Brigade-Vorstellung, Hausrundgang Kühlung und Lager, Übergabe der Standards (Karte, Rezepturen, Pass-Regeln, Reinigungspläne), (3) erste Woche: Shadowing eines erfahrenen Postens, tägliches Pre-Service-Briefing, Check-in nach jedem Service-Block, (4) erster Monat: HACCP-Schulung dokumentiert, Probezeit-Feedback in Woche 4, Stations-Rotation falls Cross-Training geplant, Trinkgeld-Beteiligung geklärt. Wer ich gebe den Schichtplan und die Karte antwortet, verfehlt die kulturelle und sicherheitstechnische Dimension der Rolle.
WerteCoachbarkeit Wie nehmen Sie kritisches Feedback einer:eines Küchenchef:in, einer:eines Inhaber:in oder einer:eines Stammgäst:in auf, das aus Ihrer Sicht unfair oder schlecht informiert ist?
Worauf eine starke Antwort hinweistLernhaltung: Die:der Kandidat:in beschreibt, das Feedback integriert (nicht nur gehört) und die Praxis verändert zu haben, auch wenn die ursprüngliche Wahrnehmung unfair war. Bonus: Sie:er hat das Gelernte mit der Brigade geteilt oder einen neuen Prozess dokumentiert. Wer beschreibt, die eigene Logik gerechtfertigt zu haben statt die Bemerkung anzunehmen, zeigt eine Schwäche der Coachbarkeit, die in einer Stellvertretungs-Rolle Probleme verursacht.
WerteStellvertretung Küchenchef:in Beschreiben Sie Ihre Beziehung zur:zum Küchenchef:in im aktuellen oder letzten Haus. Wie finden Sie das Gleichgewicht zwischen operativer Mit-Verantwortung und klarer Rollentrennung?
Worauf eine starke Antwort hinweistStellvertretungs-Haltung: tägliches Pre-Service-Briefing, gemeinsame Diagnose von Reklamationen und Schwund, geteilte Verantwortung für Karte und Wareneinsatz, klare Rollentrennung in Karten-Entwicklung (Küchenchef:in entscheidet, Souschef:in setzt um und schlägt Verbesserungen vor) und in Personal-Entscheidungen. Bonus: die:der Kandidat:in nennt eine Situation, in der sie:er eine Empfehlung gegen den ursprünglichen Wunsch der:des Küchenchef:in durchgesetzt hat, ohne die Beziehung zu beschädigen. Wer eine reine Ausführungs-Haltung beschreibt (Chef entscheidet, ich koche), zeigt eine Schwäche, die in einer echten Stellvertretung schnell zu Reibung führt.
WerteEthik und Festigkeit Ein:e Küchenchef:in oder eine:n Inhaber:in bittet Sie, eine Praxis so umzusetzen, wie sie Ihnen grenzwertig erscheint (Kühlkette unterbrochen aber Ware trotzdem verarbeitet, fehlende HACCP-Dokumentation vor Veterinäramt-Besuch, Arbeitszeitgesetz-Verstoß durch dauerhafte Über-Schichten der Brigade, Auszubildende in unzulässigen Aufgaben). Wie reagieren Sie?
Worauf eine starke Antwort hinweistFähigkeit, Nein zu sagen und an die richtige Stelle zu eskalieren (Geschäftsführung, externe HR-Beratung, Berufsgenossenschaft), ohne anzuklagen. Besonderes Augenmerk auf Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) falls Auszubildende im Team. Bonus: die:der Kandidat:in schlägt eine legale Alternative vor, die das eigentliche Bedürfnis adressiert (Ware entsorgen plus Lieferanten-Reklamation, HACCP nachdokumentieren plus Schulung der Brigade, Schicht-Plan-Reform). Wer mit ich führe aus antwortet ohne zu hinterfragen, schützt das Haus nicht. Wer trocken ablehnt ohne Alternative anzubieten, marginalisiert sich in einem inhabergeführten Haus schnell.
Evaluations-Playbook
Die Rolle Souschef:in zeigt sich über vier Evaluations-Stufen. Das Trial-Cooking oder der Service-Test (Stufe 3) ist zentral: ohne konkrete Mise en Place und ohne Pass-Beobachtung im laufenden Service ist es schwer, eine:n Souschef:in mit echter Brigade-Reife von jemandem zu unterscheiden, der:die nur über Saucen und Saisonalität sprechen kann.
Stufe 1: CV-Lektüre
Achten Sie auf Konzept-Kohärenz (Souschef:in im Fine Dining arbeitet mit anderen Reflexen als in der Systemgastronomie, in einem Hotelrestaurant oder in der gehobenen Individualgastronomie) und auf Stationen-Tiefe (mindestens 24 Monate auf vorherigen Souschef- oder Chef de Partie-Positionen, in einer Branche mit hoher Fluktuation ein starkes Signal). Negativ: mehrere 12-Monats-Stationen als Souschef:in hintereinander oder Lücken ohne Erklärung. Prüfen Sie die genannten Häuser: ein CV ohne Brigade-Größe, Couverts pro Service, Stationen-Rotation oder Konzept-Beschreibung beschreibt eine:n Chef de Partie, keine:n echte:n Souschef:in mit Stellvertretungs-Verantwortung.
Stufe 2: Telefon-Screen (30 Min.)
Nur drei Fragen: (1) Beschreiben Sie Ihr aktuelles Haus (Sitzplätze, Couverts pro Service, Karten-Format, Brigade-Größe und Stationen-Aufteilung), (2) Welche Stationen haben Sie selbst geführt, und welche führen Sie heute als Souschef:in indirekt? (klare Brigade-Sprache vs. vage), (3) Warum suchen Sie jetzt einen Wechsel? (klare Erzählung vs. dispers). Ergebnis: Go oder No-Go in 5 Min. Debrief, nicht mehr.
Stufe 3: Trial-Cooking oder Service-Test
Zwei mögliche Formate je nach Senioritätsstufe und Konzept-Fit. Variante A (Trial-Cooking, 4-6 Std.): Die:der Kandidat:in bereitet ein 3-Gang-Menü für 4-6 Personen aus einem von Ihnen vorgegebenen Warenkorb, plant Mise en Place und Timing selbst und liefert nach dem Kochen einen kurzen mündlichen Debrief (Diagnose der eigenen Schwächen, Hebel zur Verbesserung). Variante B (Service-Test, 1 Abend in echter Brigade): Die:der Kandidat:in übernimmt eine vereinbarte Station (Garde Manger, Entremetier oder Saucier) während eines realen Services von 30-60 Couverts, unter Aufsicht der:des Küchenchef:in. Bewerten Sie Mise-en-Place-Disziplin, Pass-Kommunikation, Reaktion in der Spitze und Sauberkeit am Posten mehr als die genaue Geschmacks-Note. Ein:e gute:r Souschef:in fragt vor dem Service nach Karten-Details, Pass-Reihenfolge und HACCP-Regeln des Hauses, bevor sie:er an den Posten geht.
Stufe 4: Strukturiertes Interview (90 Min.) plus Referenzen
Folgen Sie den 15 Fragen unten und wechseln Sie zwischen behavioral, situational, case, technical und values. Mindestens 2 Interviewer:innen (idealerweise die:der Küchenchef:in plus eine Person aus der Geschäftsführung oder Hotel-Direktion), unabhängiges Scoring vor dem Debrief. Rufen Sie zwei Referenzen an: eine:n ehemalige:n Küchenchef:in und eine:n ehemalige:n Chef de Partie aus der vorherigen Brigade. Vier identische Fragen pro Referenz: Worin ist sie:er am stärksten? Worin würden Sie eine ergänzende Person einstellen? Würden Sie sie:ihn morgen wieder einstellen, warum oder warum nicht? Ein konkretes Beispiel einer Rush-Hour am Pass, die unter ihrer:seiner Leitung gut oder schlecht gelaufen ist? Die 4. Frage liefert das meiste Signal.
Woran Sie eine hervorragende Besetzung erkennen
| Kompetenz | Unter Anforderung | Auf Niveau | Über Anforderung |
|---|---|---|---|
| Kulinarische Technik | Beherrscht eine oder zwei Stationen routiniert, hat aber Lücken in mindestens zwei klassischen Brigade-Stationen (Saucier, Patissier, Garde Manger, Entremetier, Rôtisseur). Kann eigene Lücken schlecht benennen. Mise en Place dauert auf der Schwach-Station unverhältnismäßig lang. | Solides Niveau auf 3-4 Stationen, ehrliche Selbsteinschätzung mit klar benannter Auffrischungs-Station. Mise en Place läuft auf allen geführten Stationen termingerecht. Beherrscht die klassischen Garmethoden und Grundsaucen ohne Rezeptbuch. | Beherrscht alle 5 klassischen Stationen auf Souschef-Niveau und hat in mindestens 2 davon eine eigene Handschrift entwickelt (Sauce-Variante, Patisserie-Signatur, Garmethode). Kann die Brigade an jeder Station vertreten und ausbilden. Eigener Lernzyklus pro Jahr (Stage extern, Buchstudium, Wettbewerb) dokumentiert. |
| Brigade-Führung im Rush | Steuert von der Vorbereitung oder von hinten in der Küche. Reagiert auf Eskalationen am Pass anstatt sie zu antizipieren. Verliert in der Spitze Überblick über Pass-Wartezeiten und Tisch-Synchronität. Pre-Service-Briefing ist unregelmäßig oder oberflächlich. | Physisch am Pass während der Rush-Hour, klare Mikro-Entscheidungen (Pass-Reihenfolge, Stations-Umverteilung bei Ausfall, Sofort-Maßnahme bei Reklamation). Tägliches Pre-Service-Briefing strukturiert. Strukturierte Diagnose nach Service mit Küchenchef:in. Wiederkehrende Schwachstellen werden adressiert. | Antizipiert die Rush-Hour über Reservierungs-Volumen, Karten-Mix und Brigade-Stärke. Die Brigade weiß ohne Worte, was im Druck zu tun ist, weil die Routinen klar und geübt sind. Reklamationen werden in unter 5 Minuten am Pass geklärt, ohne den Service zu blockieren. Cross-Training so weit gediehen, dass Stationen-Ausfälle in 2-3 Minuten umverteilt werden. |
| Food-Cost-Steuerung | Liest die Kennzahlen punktuell oder gar nicht, rechnet in Karten-Beliebtheit ohne Wareneinsatz, Portionierung und Schwund zu zerlegen. Keine klare Kadenz zwischen Tag, Woche und Monat. Reagiert auf Abweichungen erst, wenn die:der Küchenchef:in sie nennt. | Regelmäßige Kadenz auf 3-4 Kernkennzahlen (Wareneinsatz, Schwund-Quote, Portions-Soll vs. Ist, Mix-Anteil teurer Gerichte). Diagnostiziert eine Abweichung über strukturierten Vergleich Soll vs. Ist pro Station und schlägt 2-3 Hebel vor. Mit-Verantwortung an Lieferanten-Audits und Karten-Mix-Analyse. | Steuert antizipativ: passt Mise en Place, Portionierungs-Standards und Schicht-Stärke an, bevor der Effekt im Monatsabschluss sichtbar wird. Trennt strukturelle vs. operative Ursachen. Kommuniziert Zahlen an die:den Küchenchef:in bevor sie angefragt werden. Eigene Verbesserungs-Hebel pro Quartal dokumentiert. |
| HACCP und Hygiene | Pauschale HACCP ist Sache des Chefs-Haltung. Reinigungspläne, Wareneingangskontrolle, Schulungsnachweise sind lückenhaft oder fehlen. Keine eigene Dokumentations-Routine bei Stations-relevanten Punkten (Allergene, Kühlung, Reinigung pro Posten). | Klare Mit-Verantwortung mit Küchenchef:in: tägliche und wöchentliche Hygiene-Kontrollen dokumentiert, monatliche Schulungsnachweise pro Station, Allergene-Schulung Brigade halbjährlich. Kennt die wichtigsten Verordnungen (EU 852/2004, IfSG, LMHV) und kann eine Veterinäramt-Kontrolle ohne Stress empfangen. | Hygiene-Referenz in der Brigade: die Routinen überleben Personal-Wechsel, weil sie dokumentiert und ritualisiert sind. Wareneingangs-Kontrolle, Kühlketten-Protokolle, Reinigungspläne und Schulungsnachweise sind für die Geschäftsführung und für die Aufsichtsbehörden jederzeit prüfbar. Bildet eigene Brigade-Mitglieder in HACCP aus. |
| Menü-Kreativität und Saisonalität | Setzt vorgegebene Rezepte routiniert um, ohne eigene Vorschläge zu machen. Kennt die regionale Saisonalität punktuell. Hat in den letzten 12 Monaten keine eigene Karten-Idee eingebracht. Reagiert auf Karten-Wechsel mit Widerstand statt mit Vorschlägen. | Schlägt der:dem Küchenchef:in regelmäßig Karten-Ideen oder Saison-Anpassungen vor, mit Begründung über Verfügbarkeit, Preis und Karten-Mix. Kennt die regionale Lieferantenlandschaft. Hat in den letzten 12 Monaten mindestens 2-3 Gerichte eigenständig entwickelt und in die Karte gebracht. | Echter Co-Pilot der Karten-Entwicklung: bringt strukturierte Saison-Konzepte ein (4-Wochen-Rotation, Sonderkarten für Events, Special-Bord-Konzepte). Kennt die Lieferantenlandschaft tief und hat eigene Beziehungen zu Erzeuger:innen aufgebaut. Eigene Handschrift in mindestens einem Gerichts-Segment der Karte erkennbar. |
| Stellvertretung Küchenchef:in | Reine Ausführungs-Haltung: Chef entscheidet, ich koche. Bei Abwesenheit der:des Küchenchef:in zögert die Brigade oder eskaliert kleine Themen unangemessen. Keine schriftliche Übergabe an die:den Küchenchef:in nach Vertretungs-Phasen. | Klare Stellvertretungs-Haltung: tägliches Pre-Service-Briefing, gemeinsame Diagnose der Reklamationen, geteilte Mit-Verantwortung für Karte und Wareneinsatz. Kann die Brigade für 1-2 Wochen Vertretung führen mit täglicher schriftlicher Übergabe an die:den Küchenchef:in. | Echter Partner der:des Küchenchef:in: kann mehrwöchige Vertretung übernehmen, eigenständig Entscheidungen zu Lieferanten und Schicht-Planung treffen und die:den Küchenchef:in entlasten. Wird von der Geschäftsführung als zweite Stimme der Küche anerkannt, ohne die:den Küchenchef:in zu untergraben. |
30/60/90-Tage-Plan
Bis Tag 30
- Vollständige Stations-Lektüre der Brigade: Stärken pro Posten, Mise-en-Place-Routinen, Schicht-Präferenzen, Probezeit-Status, vertragliche Eckdaten
- Audit der bestehenden HACCP-Dokumentation, der Lieferantenverträge und der Mise-en-Place-Standards pro Station
- Erste dokumentierte 1:1 mit Küchenchef:in zu Prioritäten, bekannten Schmerzpunkten und Erwartungen an die Stellvertretung
- Tägliche Präsenz am Pass während aller Services ; eigene Karten-Lektüre und Mise en Place auf zwei Stationen mitgekocht
Bis Tag 60
- Tägliches Pre-Service-Briefing mit Brigade etabliert ; wöchentliche Mise-en-Place-Routine pro Station standardisiert
- Erste Food-Cost-Hebel umgesetzt (2-3 identifizierte Optimierungen: Portionierungs-Standards, Lieferanten-Vergleich, Schwund-Protokoll) mit messbarem Effekt
- Onboarding-Routine standardisiert und auf die ersten Brigade-Eintritte ausgerollt (Vertrag, Anmeldungen, HACCP-Basics, Allergene, Probezeit-Feedback in Woche 4)
- Reklamations-Pfad dokumentiert und mit der Brigade geübt: Sofort-Maßnahme am Pass, Eskalation an Küchenchef:in, Nachbearbeitung mit Service-Leitung
Bis Tag 90
- Stabile operative Kadenz: kein wiederkehrendes Thema rutscht am Pass durch, Inventur, Schichtpläne und HACCP-Dokumentation auf 8-10 Wochen am Stück eingehalten
- Erste eigene Karten-Vorschläge an Küchenchef:in mit Saison-Bezug, Margen-Analyse und Mise-en-Place-Plan eingebracht
- Stellvertretungs-Probe absolviert (mindestens eine 5-7-tägige Phase ohne Küchenchef:in vor Ort) mit täglicher schriftlicher Übergabe
- Formaler Bilanztermin mit Küchenchef:in: identifizierte Entwicklungsachsen für die nächsten 90 Tage und eigene Auffrischungs-Stationen geplant