Souschef:in

DeutschlandMittlere Erfahrung

Häufige Fragen zum Einstellungsprozess für Souschef:in sowie die häufigsten Fehler dabei.

Häufige Fehler bei der Besetzung dieser Rolle

Die Rolle Souschef:in ist eine der anspruchsvollsten in der Küchen-Brigade, weil sie kulinarische Technik, Stellvertretungs-Reife und kaufmännischen Reflex gleichzeitig verlangt. Vier Fallen tauchen in Recruiting-Prozessen wiederholt auf.

  1. Souschef:in und Chef de Partie verwechseln

    Ein:e Chef de Partie führt eine Station (Saucier, Patissier, Garde Manger, Entremetier oder Rôtisseur) mit 1-2 Commis unter sich und ist für Mise en Place und Pass-Output der Station verantwortlich. Ein:e Souschef:in vertritt die:den Küchenchef:in, führt die gesamte Brigade übergreifend, hat Mit-Verantwortung für Karte, Wareneinsatz, HACCP und Personal. Beides in einer Anzeige zu vermischen führt zu zwei klassischen Ergebnissen: Entweder zahlen Sie 42-48 k€ für ein Profil, das nur eine Station kennt und die Brigade nicht führen kann, oder Sie zahlen 30-32 k€ für ein Profil, das im Service Stations-Verantwortung übernimmt aber keine Stellvertretung leisten kann. Rahmen Sie den Scope explizit in der Anzeige.

  2. Auf Erfahrung in der falschen Konzept-Kategorie einstellen

    Ein:e Souschef:in aus der Systemgastronomie (60-150 Sitzplätze, standardisierte Karte, zentrale Vorgaben für Wareneinsatz und Mise en Place) arbeitet mit anderen Reflexen als ein:e Souschef:in aus der Individualgastronomie (autonome Karten-Entscheidung, lokale Lieferanten, persönliche Saisonalität), aus dem Hotelrestaurant (Verbund mit Bankett, Bar, Frühstück, Bewertungs-Druck der Hotelketten-Plattformen) oder aus dem Fine Dining (kleinere Brigade, höhere Technik-Anforderung, Stations-Tiefe). Suchen Sie ein Profil aus einer Konzept-Kategorie, die der eigenen höchstens eine Stufe entfernt ist. Eine:n Systemgastronomie-Souschef:in in ein Fine-Dining-Haus einzustellen produziert Reibung in den ersten sechs Monaten und oft eine Trennung im ersten Jahr.

  3. Den Trial-Cooking- oder Service-Test überspringen

    Die:der Souschef:in ist ein Posten, bei dem Mise-en-Place-Disziplin, Pass-Reflex und Stellvertretungs-Reife zentral sind und sich nur schwer in einem klassischen Interview prüfen lassen. Viele Kandidat:innen sprechen sehr gut über Saisonalität und Brigade-Führung, ohne im Druck strukturiert zu agieren oder ohne mit der eigenen Hand am Pass zu sein. Das Trial-Cooking oder der Service-Test ist der einzige verlässliche Weg, eine:n methodische:n Kandidat:in von jemandem zu unterscheiden, der:die über Methode spricht. Diese Stufe zu überspringen heißt blind einzustellen auf einer Rolle, bei der Nicht-Qualität teuer wird (Pass-Output unzuverlässig, Wareneinsatz entgleist, Brigade verlässt das Haus).

  4. Den Tarifvertrag, das Arbeitszeitgesetz und das Jugendarbeitsschutzgesetz ignorieren

    Das Gastgewerbe ist in den meisten Bundesländern an einen Länder-Tarifvertrag DEHOGA gebunden, der Mindestlohn-Eingruppierung, Sonderzahlungen, Schicht- und Wochenend-Zuschläge sowie Urlaubsansprüche regelt. Eine Anzeige oder ein Vertrag, der diese Vorgaben nicht respektiert, ist anfechtbar und kann bei einer Sozialversicherungsprüfung Nachzahlungen über 12-24 Monate auslösen. Das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) setzt zudem harte Grenzen: maximal 10 Stunden pro Tag, mindestens 11 Stunden Ruhezeit. Falls Auszubildende in der Brigade sind, gilt zusätzlich das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) mit strengeren Schicht-, Pausen- und Ruhezeit-Regeln. Souschef:innen sind als Stellvertretung der:des Küchenchef:in mitverantwortlich für die Einhaltung in der Brigade.

Häufige Fragen

Was verdient ein:e Souschef:in in Deutschland?
Die Referenzspanne für eine:n Souschef:in mit 5-12 Jahren Erfahrung in der deutschen Gastronomie (Individualgastronomie, Hotelrestaurant, Systemgastronomie oder Fine Dining ab 60-150 Sitzplätzen) liegt bei 30-48 k€ Bruttojahresfixgehalt (Median um 38 k€). München, Frankfurt, Hamburg und Düsseldorf ziehen die Bandbreite um 10-15 % nach oben ; ländliche Regionen und der Osten ziehen sie um 5-10 % nach unten. Profile mit Stationserfahrung in 1- oder 2-Sterne-Häusern, mit Patisserie- oder Saucier-Spezialisierung oder mit nachgewiesener Brigade-Führung (mindestens 6-10 Köch:innen unter sich) liegen am oberen Ende. Sonderzahlungen (Weihnachts- und Urlaubsgeld nach DEHOGA-Tarifempfehlung) und freie Verpflegung sind branchen-typisch, aber strukturell außerhalb des Fixgehalts.
Was ist der Unterschied zwischen Souschef:in und Chef de Partie?
Ein:e Chef de Partie führt eine Station (Saucier, Patissier, Garde Manger, Entremetier oder Rôtisseur) mit 1-2 Commis unter sich und ist für Mise en Place und Pass-Output der Station verantwortlich ; der Scope ist eine Station und ihre Produkte. Ein:e Souschef:in vertritt die:den Küchenchef:in, führt die gesamte Brigade übergreifend, hat Mit-Verantwortung für Karte, Wareneinsatz, HACCP, Personal-Führung und Reporting an die Geschäftsführung oder Hotel-Direktion. Die beiden Rollen überschneiden sich teilweise, sind aber nicht gleichwertig. Beides in einer Anzeige zu vermischen führt entweder zu Frustration auf Kandidat:innenseite (zu führend für ein Stations-Profil) oder zu Versagen auf Unternehmensseite (Stellvertretung kann nicht geleistet werden).
Wie lange dauert die Einstellung einer:eines Souschef:in in Deutschland?
Rechnen Sie mit 35-55 Tagen zwischen der Veröffentlichung der Anzeige und der Vertragsunterzeichnung für eine Mid-Level-Position. Der Markt ist eng, weil die guten Profile selten aktiv suchen und über Brigade-Netzwerke wechseln. Die Fristen verkürzen sich bei aktivem Sourcing über Mitarbeiter-Empfehlungen aus Küchen-Netzwerken und Direktansprache auf spezialisierten Plattformen, verlängern sich bei sehr spezifischen Konzept-Anforderungen (Fine Dining, gehobenes Hotelrestaurant, vegetarisches Premium-Konzept). Eine Verkürzung unter 35 Tage geht meist auf Kosten der Trial-Cooking- oder Service-Test-Phase, was die Einstellungsqualität deutlich verschlechtert.
Welche rechtlichen Vorgaben gelten für Souschef-Stellenausschreibungen in Deutschland?
Fünf zentrale Vorgaben: (1) geschlechtsneutrale Stellenbezeichnung mit (m/w/d) oder Doppelpunkt-Schreibweise (§ 11 AGG), (2) Pflicht zur Gehaltstransparenz in der Anzeige oder vor dem ersten Interview (EU-Entgelttransparenzrichtlinie 2023/970, Umsetzung bis 7. Juni 2026), (3) Hinweis auf Schicht-, Wochenend- und Feiertagsarbeit als branchen-typische Vertragsbestandteile mit Bezug zum Arbeitszeitgesetz (ArbZG), (4) Bezug auf den anwendbaren Länder-Tarifvertrag DEHOGA, falls Ihr Haus gebunden ist, (5) Hinweis auf das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG), falls Auszubildende in der Brigade sind. Befristungen unterliegen dem TzBfG (sachgrundlos höchstens 24 Monate, mit Sachgrund bis 3 Jahre üblich), die Probezeit beträgt regelmäßig 6 Monate.
Braucht es eine bestimmte Ausbildung, um eine:n Souschef:in einzustellen?
Es gibt keine gesetzlich vorgeschriebene Ausbildung für diese Rolle. In der Praxis kommen erfahrene Souschef:innen in Deutschland aus unterschiedlichen Wegen: Ausbildung als Koch:Köchin mit anschließender Stations-Rotation und Chef-de-Partie-Phase, Hotelfachschule mit IHK-Abschluss, Quereinstieg aus internationaler Brigade mit gleichwertiger praktischer Erfahrung. Praktische Erfahrung in einem Haus vergleichbarer Größe und Konzept-Kategorie wiegt mehr als das Diplom. Das diskriminierende Kriterium ist die Stations-Tiefe (mindestens 3-4 klassische Brigade-Stationen geführt) plus die Stellvertretungs-Reife, validiert über die Trial-Cooking- oder Service-Test-Phase.
Soll die:der Souschef:in selbst kochen oder nur steuern?
In der deutschen Gastronomie ist die Player-Coach-Haltung der Standard: 60-80 % der Zeit physisch am Pass und an Stationen während Mise en Place und Service, der Rest für Brigade-Führung, Wareneingangs-Kontrolle, HACCP-Dokumentation, Karten-Mitarbeit und Reporting. Das Verhältnis verschiebt sich je nach Brigade-Größe: in einer 5-köpfigen Brigade liegt der Kochanteil eher bei 80-85 %, in einer 12-15-köpfigen Hotelbrigade mit mehreren Outlets eher bei 50-60 %. Anzeigen, die 100 % Kochen UND 100 % Brigade-Führung fordern, zeigen eine unklare Rollendefinition und ziehen meist Chef-de-Partie-Profile mit zu wenig Stellvertretungs-Reife an.
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