Head of Sales / Vertriebsleiter:in

DeutschlandLead

Strukturierte Interviewfragen für Head of Sales — mit dem Signal, auf das eine starke Antwort jeweils hinweist.

  1. VerhaltensbezogenSkalierbare Team-Führung

    Beschreiben Sie die Vertriebsorganisation, die Sie zuletzt aufgebaut oder umgebaut haben. Wie sah die Struktur vor und nach Ihrer Übernahme aus, und welche drei Entscheidungen haben den größten Hebel ausgemacht?

    Worauf eine starke Antwort hinweist

    Fähigkeit, organisatorische Entscheidungen mit Wirkung zu verknüpfen (Segmentierung nach Account-Größe, Trennung Hunter/Farmer, Einführung einer SDR-Funktion, Geografie-Neuschnitt). Reife: drei klare Entscheidungen mit Begründung, statt einer langen Liste kosmetischer Änderungen. Vorsicht bei Kandidat:innen, die nur Prozesse beschreiben (CRM-Hygiene, neue Templates) und keine echte Strukturentscheidung benennen können.

  2. VerhaltensbezogenSales Hiring und Enablement

    Erzählen Sie von einem Sales Manager oder einer Sales Managerin, den oder die Sie eingestellt und weiterentwickelt haben. Welche Stufen hatte die Entwicklung, und wo stand die Person nach 18 Monaten?

    Worauf eine starke Antwort hinweist

    Konkretes Beispiel von Hiring plus aktiver Entwicklung, nicht nur Hiring. Strukturierter Onboarding-Plan, regelmäßige 1:1, dokumentierte Erwartungen für 6 und 12 Monate, klare Eskalations- oder Erfolgsmomente. Schwaches Signal: pauschale Aussagen wie sie war großartig oder ich gebe meinen Leuten Raum, ohne nachweisbare Coaching-Spuren.

  3. VerhaltensbezogenForecast und Pipeline-Disziplin

    Beschreiben Sie ein Quartal, in dem Ihre Organisation das Umsatzziel deutlich verfehlt hat. Was war die Hauptursache, was haben Sie an Geschäftsführung und Beirat kommuniziert, und was haben Sie verändert?

    Worauf eine starke Antwort hinweist

    Diagnose-Reife auf Org-Ebene (Pipeline-Generierungsproblem vs. Closing-Defizit vs. Hiring-Lücke vs. Marktverschiebung), saubere Aufwärtskommunikation (Zahlen vor Erklärung, klare nächste Schritte) und mindestens eine dauerhafte Veränderung als Folge. Wer das Ziel nie nennenswert verfehlt hat, hat entweder zu konservative Ziele gefahren oder noch nicht lange genug auf dieser Ebene geführt.

Evaluations-Playbook

Auf Vertriebsleitungs-Ebene liefert keine einzelne Evaluations-Stufe ein eindeutiges Signal. Die Validierung entsteht durch Kumulation über vier Stufen, mit besonderem Gewicht auf Case Study und Backchannel References.

  1. Stufe 1: CV und Erst-Screening (45 Min.)

    Erstgespräch zur Klärung von drei Punkten: Größe der zuletzt verantworteten Organisation (Anzahl Sales Manager:innen, Anzahl Reports, ARR-Größe), Karrieretrajektorie (von IC zur Vertriebsleitung in welcher Sequenz, mit welcher Lücken-Story), und Wechselmotivation. Suchen Sie nach konsistenter Verweildauer von mindestens 24 Monaten auf vorherigen Vertriebsleitungs- oder Sales-Director-Positionen. Vorsicht bei mehr als zwei Wechseln auf dieser Ebene in den letzten 5 Jahren ohne plausible Story.

  2. Stufe 2: Strukturiertes Interview Executive Team (2 Std.)

    Folgen Sie den 15 strukturierten Fragen oben, abwechselnd behavioral, situational, case, technical und values. Mindestens drei Interviewer:innen: CEO oder Geschäftsführer:in, ein Peer-C-Level (CFO ideal für Forecast-Disziplin und Compensation-Plan-Tiefe), und eine externe Sparring-Person (Beirat oder erfahrene VP Sales aus dem Netzwerk). Unabhängiges Scoring auf der Rubric vor dem Debrief.

  3. Stufe 3: Case Study GTM-Strategie (90 Min. Präsentation plus 30 Min. Q&A)

    Geben Sie der Person 5-7 Tage Vorbereitungszeit für ein realistisches Briefing: aktueller ARR, Team-Setup, drei bis fünf konkrete Herausforderungen, die Sie tatsächlich beschäftigen. Die Person präsentiert einen 90-Tage- und einen 12-Monats-Plan vor Geschäftsführung und einem Sales Manager oder einer Sales Managerin Ihres Teams. Bewerten Sie: Qualität der Klärungsfragen vorab, Strukturierung des Plans, Bewusstsein für eigene Annahmen, Umgang mit Push-Back im Q&A.

  4. Stufe 4: Backchannel References (3-4 strukturierte Gespräche)

    Auf dieser Ebene das mit Abstand wichtigste Signal. Rufen Sie 3-4 Referenzen an: eine:n ehemalige:n CEO oder Geschäftsführer:in (Vorgesetzte:r), eine:n ehemalige:n Sales Manager:in oder Senior-AE (Direct Report), und eine:n Peer-C-Level (CFO ideal). Bevorzugen Sie Backchannel über die offizielle Referenz-Liste der Person. Gleiche 5 Fragen an alle: Was ist die größte Stärke? In welchem Setup würden Sie diese Person heute nicht erneut einstellen? Wie ist sie unter Druck? Beispiel einer schwierigen Entscheidung unter Ihrer Beobachtung? Würden Sie selbst wieder für oder mit ihr arbeiten?

Woran Sie eine hervorragende Besetzung erkennen

KompetenzUnter AnforderungAuf NiveauÜber Anforderung
Skalierbare Team-FührungFührt ein einzelnes Team direkt, hat noch keine Sales Manager:innen unter sich geführt. Denkt in IC-Output, nicht in Team-of-Teams-Output. Compensation- und Stack-Entscheidungen werden geerbt, nicht gestaltet.Hat 2-3 Sales Manager:innen mit insgesamt 10-20 Reports geführt. Pflegt eine erkennbare Führungskadenz (wöchentliche 1:1 mit Sales Manager:innen, monatliches Org-Review). Hat einen Compensation-Plan und einen Tool-Stack im Live-Betrieb verantwortet.Hat eine Organisation von 25-plus über mehrere Sales Manager:innen aufgebaut und durch eine Skalierungsphase (10 M€ auf 25 M€-plus ARR) geführt. Compensation-Plan und Stack-Entscheidungen sind dokumentierte Wetten mit beobachtbarem Effekt. Entwickelt selbst Sales Manager:innen weiter, statt nur einzustellen.
Strategische GTM-VisionReagiert auf gesetzte Ziele ohne eigene These zur Markt- oder Segment-Wahl. SDR-Einführung, Markteintritt oder Segmentierungs-Frage werden mit Bauchgefühl beantwortet, nicht mit Daten.Formuliert eine kohärente Sicht auf ICP, Pipeline-Mix und Markteintritts-Sequenzierung. Kann eine SDR-Pilotentscheidung daten-getrieben verteidigen oder ablehnen.Hat mindestens einen erfolgreichen Markteintritt (Geografie oder Segment) verantwortet. Trifft GTM-Wetten in 90-Tage-Schritten mit klaren Erfolgsindikatoren. Erkennt, wann das aktuelle Modell an seine Grenze stößt, bevor die Zahlen es zeigen.
Forecast und Pipeline-DisziplinForecast schwankt um plus-minus 25 Prozent zur Landung. Pipeline-Math wird nicht laut gerechnet. CRM-Hygiene wird der Sales-Manager:innen-Ebene überlassen, ohne eigene Audit-Kadenz.Forecast-Genauigkeit bei plus-minus 10 Prozent über das Quartal. Kennt für die Top-10-Deals den Status auswendig und kann die Mathematik der Quartalslandung in zwei Minuten erklären.Trennt klar No-Decision von Delay, parkt stagnierende Deals diszipliniert. Forecast-Genauigkeit bei plus-minus 5 Prozent. Hat eine eigene Audit-Routine (Spot-Checks auf einzelne Deals, monatliches Deal-Review mit Sales Manager:innen) etabliert, die ohne ihre Anwesenheit weiterläuft.
Sales Hiring und EnablementHiring nach Bauchgefühl, kein dokumentierter Scorecard- oder Interview-Prozess. Onboarding ist eine Mischung aus Mentoring durch Peers und learning by doing. Ramp-Time wird nicht gemessen.Strukturierter Hiring-Prozess mit Scorecard und mehrstufigem Interview. Onboarding-Plan mit klaren Meilensteinen für 30, 60 und 90 Tage. Ramp-Time-Median bekannt und stabil.Hat über mindestens zwei Jahre einen Hiring-Funnel betrieben, der Vorhersage über tatsächliche Performance erlaubt. Internes Enablement-Programm mit dokumentierten Playbooks (Discovery, Demo, Verhandlung). Mindestens eine intern entwickelte Sales Manager:in im Track Record.
Executive AlignmentKommunikation an Geschäftsführung erfolgt reaktiv und meist defensiv. Schwierige Botschaften (Forecast-Miss, Hiring-Bedarf, Budget-Forderung) werden verzögert oder verpackt.Etablierte monatliche oder quartalsweise Routinen mit Geschäftsführung und Beirat. Liefert Zahlen vor Erklärung, mit klarer These und nächsten Schritten. Trägt schlechte Nachrichten frühzeitig.Wird von der Geschäftsführung als Sparringspartner:in für Gesamtunternehmens-Fragen genutzt, nicht nur für Vertriebs-Fragen. Eigene blinde Flecken sind benennbar, Feedback-Schleifen mit dem CEO sind etabliert und produktiv.

30/60/90-Tage-Plan

Bis Tag 30

  • 1:1 mit jeder Sales Manager:in (drei Termine in den ersten zwei Wochen), Mithören von mindestens drei Calls pro Sales Manager:in und je einem Call ihrer Reports
  • Vollständiges Pipeline-Audit auf Organisations-Ebene: Stage-Conversion, Velocity, Win Rate, Pipeline-Abdeckung pro Sales Manager:in, Top-20-Deals des Quartals mit eigenem Risiko-Rating
  • Strukturiertes Gespräch mit Geschäftsführung, Beirat und Peer-C-Level (CFO, CMO, CTO) zur aktuellen Sicht auf Sales, identifizierten Reibungspunkten und expliziten Erwartungen für die ersten 90 Tage
  • Diagnose-Memo mit 3 Hypothesen zur Hauptursache der Unter- oder Überperformance, ausdrücklich ohne Lösungsvorschläge in dieser Phase

Bis Tag 60

  • Operative Steuerungskadenz etabliert: wöchentliche 45-Minuten-Pipeline-Review mit Leitungsteam, monatliches 90-Minuten-Org-Review mit Geschäftsführung, 1:1-Kadenz mit jeder Sales Manager:in fest verankert
  • Dokumentierter Aktionsplan für jede Sales Manager:in, die über oder unter Plan liegt, mit Konsequenzen-Klarheit nach 90 weiteren Tagen
  • Erste belastbare Forecast-Lieferung an die Geschäftsführung mit klarer Plausibilisierungs-Logik und Risikoannahmen
  • Strategische Empfehlung zu maximal zwei Strukturentscheidungen (z. B. SDR-Einführung, Segmentierungs-Pilot, Hiring-Sequenz) zur Diskussion mit Geschäftsführung

Bis Tag 90

  • Vertriebsplan für die nächsten 12 Monate freigegeben: Hiring-Sequenz, ICP-Verfeinerung, Pipeline-Generierungs-Mix, Compensation-Plan-Anpassungen falls nötig
  • Mindestens eine größere Strukturentscheidung umgesetzt oder als Pilot gestartet (eine Reorganisation, ein neues Segment, eine Funktions-Einführung)
  • Hiring-Pipeline für die nächsten zwei offenen Sales-Manager:in- oder Senior-AE-Rollen aktiv aufgebaut
  • Erste beobachtbare Verbesserung auf einer Kernkennzahl, die kausal auf eigene Maßnahmen zurückgeführt werden kann (nicht Markt-Effekt, sondern Führungs-Effekt)
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