Lehrer:in (privater Bildungssektor)

Deutschland Einstieg

Häufige Fragen zum Einstellungsprozess für Lehrer:in sowie die häufigsten Fehler dabei.

Häufige Fehler bei der Besetzung dieser Rolle

Die häufigsten Fehleinstellungen bei Lehrkräften im privaten Sektor entstehen, bevor die Stellenausschreibung überhaupt online geht: falscher Sektor, falscher Qualifikationsmaßstab oder ein übersprungener Praxistest.

  1. Diesen Leitfaden für eine Stelle im öffentlichen Schuldienst nutzen

    Öffentliche Schulen stellen über das Landesschulamt oder das Bildungsministerium des Bundeslands ein, meist im Beamtenverhältnis oder nach TV-L, mit eigenem Bewerbungsportal und Auswahlverfahren. Diese Vorlage, das Gehaltsband und die Sourcing-Kanäle gelten für den privaten Sektor: Privatschulen in freier Trägerschaft, Sprachschulen, Nachhilfeinstitute, private Kitas und betriebliche Weiterbildung. Wer sie unverändert auf eine Stelle im öffentlichen Dienst überträgt, schreibt ein falsches Gehaltsband aus und übergeht das Beamtenrecht oder den TV-L als eigentliche Rechtsgrundlage.

  2. Qualifikationsniveau von Ersatzschule und Ergänzungsschule verwechseln

    Wer für eine Ersatzschule ohne Prüfung der Unterrichtsgenehmigungsfähigkeit einstellt, riskiert eine abgelehnte Genehmigung erst nach Vertragsunterschrift, wenn die neue Lehrkraft eigentlich schon vor der Klasse stehen sollte. Wer umgekehrt für ein Nachhilfeinstitut oder eine Sprachschule ein abgeschlossenes Lehramtsstudium voraussetzt, filtert geeignete Quereinsteiger:innen ohne rechtlichen Grund heraus und verengt den Bewerbendenpool unnötig. Klären Sie den Trägertyp der eigenen Einrichtung, bevor Sie die Anforderungen formulieren.

  3. Keine Probestunde vor Vertragsunterschrift

    Zeugnisse und Zertifikate zeigen fachliche Tiefe, aber nicht, ob jemand eine Gruppe von 15 Elfjährigen 45 Minuten lang bei der Sache hält. Eine bezahlte Probestunde vor der finalen Entscheidung, mit echten oder simulierten Lernenden, ist im Bildungssektor Standard und deckt Schwächen auf, die im reinen Gespräch unsichtbar bleiben. Wer diesen Schritt aus Zeitdruck streicht, tauscht die Lehrkraft nach der Probezeit häufiger wieder aus.

  4. Erweitertes Führungszeugnis erst nach Vertragsunterschrift verlangen

    Bei Rollen mit regelmäßigem Kontakt zu Minderjährigen ist das erweiterte Führungszeugnis Teil der Einstellungsentscheidung selbst. Wird es erst nach Vertragsunterschrift verlangt und liefert ein relevantes Ergebnis, steht die Einrichtung vor einer Kündigung in der Probezeit statt vor einer sauberen Absage. Fordern Sie das Dokument spätestens vor der finalen Zusage an, am besten schon im Bewerbungsgespräch.

  5. Honorarvertrag ohne Statusprüfung aufsetzen

    Ein Honorarvertrag mit festen Wochenstunden, vorgegebenem Unterrichtsort und Einbindung in den Stundenplan des Instituts sieht sozialversicherungsrechtlich oft wie eine Anstellung aus, unabhängig von der Vertragsüberschrift. Eine spätere Prüfung durch die Deutsche Rentenversicherung kann Nachzahlungen für mehrere Jahre auslösen, wie der Fall des Goethe-Instituts 2017 gezeigt hat. Ein Statusfeststellungsverfahren vor Vertragsbeginn kostet wenig Zeit und schützt vor genau diesem Risiko.

Häufige Fragen

Was verdient ein:e Lehrer:in an einer Privatschule in Deutschland?
Bei einer Festanstellung liegt die Referenzspanne bei 28.000 bis 44.000 € Bruttofestgehalt pro Jahr, mit einem Median um 35.000 €. Das liegt spürbar unter dem Vergleichswert für Lehrkräfte im öffentlichen Dienst (Median rund 49.800 € laut StepStone), weil Ersatzschulen laut Bundesarbeitsgericht nur mindestens 80 bis 90 Prozent dieser Vergleichsvergütung zahlen müssen, je nach Bundesland. Sprachschulen und Nachhilfeinstitute vergüten überwiegend nicht als Festgehalt: rund 15 € pro Unterrichtseinheit bei Sprachschulen, 10 bis 17 € pro Stunde bei den meisten Nachhilfeinstituten.
Eignet sich dieser Leitfaden für eine Stelle an einer öffentlichen Schule?
Nein. Öffentliche Schulen stellen über das Landesschulamt oder das Bildungsministerium des jeweiligen Bundeslands ein, meist im Beamtenverhältnis oder nach TV-L, über ein eigenes Bewerbungsportal und Auswahlverfahren außerhalb von KMU-Recruiting-Software. Dieser Leitfaden, das Gehaltsband und die Sourcing-Kanäle gelten für den privaten Bildungssektor: Privatschulen in freier Trägerschaft, Sprachschulen, Nachhilfeinstitute, private Kitas und betriebliche Weiterbildung, die als eigenständige Arbeitgeber einstellen.
Brauche ich für eine Stelle an einer Sprachschule oder einem Nachhilfeinstitut ein Lehramtsstudium?
Rechtlich nicht. Sprachschulen und Nachhilfeinstitute sind in aller Regel Ergänzungsschulen; Nachhilfelehrer:in ist kein geschützter Titel, und es gibt keine gesetzliche Qualifikationshürde. Fachliche Tiefe und die Fähigkeit, eine Gruppe zu führen, sind trotzdem entscheidend; das lässt sich über eine bezahlte Probestunde zuverlässiger prüfen als über ein verlangtes Studium, das viele geeignete Kandidat:innen ohne rechtlichen Grund ausschließt.
Was ist der Unterschied zwischen Ersatzschule und Ergänzungsschule bei der Einstellung?
Eine Ersatzschule, die klassische anerkannte Privatschule, verlangt für jede Lehrkraft eine Unterrichtsgenehmigung der zuständigen Schulbehörde; der Maßstab ist fachliche Gleichwertigkeit zum 2. Staatsexamen, die die Schulbehörde im Einzelfall prüft. Eine Ergänzungsschule, etwa eine Sprachschule, ein Nachhilfeinstitut oder eine private Musikschule, erweitert das staatliche Angebot nur und unterliegt keiner vergleichbaren Genehmigungspflicht. Wer den Unterschied bei der Einstellung übergeht, stellt entweder für eine Ersatzschule ohne Prüfung der Genehmigungsfähigkeit ein oder verlangt für eine Ergänzungsschule eine Qualifikation, die rechtlich gar nicht nötig ist.
Kann ich Sprach- oder Nachhilfelehrkräfte als Honorarkraft beschäftigen?
Nur, wenn die tatsächliche Zusammenarbeit auch selbstständig aussieht. Das Bundessozialgericht hat am 28. Juni 2022 (B 12 R 3/20 R) am Beispiel einer Musikschullehrkraft entschieden, dass feste Zeitvorgaben, ein vorgegebener Unterrichtsort und die Einbindung in den Institutsbetrieb für ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis sprechen, unabhängig vom Vertragstitel. Bereits 2017 musste das Goethe-Institut nach einer Prüfung der Deutschen Rentenversicherung Honorarverträge mit Sprachlehrkräften neu bewerten. Ein freiwilliges Statusfeststellungsverfahren bei der Deutschen Rentenversicherung vor Vertragsbeginn schützt vor Nachzahlungen auf beiden Seiten.
Brauche ich für diese Rolle ein erweitertes Führungszeugnis?
Bei einer privaten Kita ist die Vorlage über § 72a in Verbindung mit § 45 SGB VIII an die Betriebserlaubnis gekoppelt und damit verpflichtend. Bei Ersatzschulen regelt das jeweilige Landesschulgesetz die genaue Pflicht, meist als klare Empfehlung der Kultusministerien. Sprachschulen und Nachhilfeinstitute unterliegen keiner bundeseinheitlichen Vorlagepflicht, sollten das erweiterte Führungszeugnis aber aus eigener Sorgfaltspflicht verlangen, sobald regelmäßiger Kontakt zu Minderjährigen besteht.

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