Lehrer:in (privater Bildungssektor)

Deutschland Einstieg

Strukturierte Interviewfragen für Lehrer:in — mit dem Signal, auf das eine starke Antwort jeweils hinweist.

  1. VerhaltensbezogenGruppenführung und Aufmerksamkeitssteuerung

    Beschreiben Sie eine Unterrichtsstunde, die komplett anders verlief als geplant. Was ist passiert, und wie haben Sie in der Stunde selbst reagiert?

    Worauf eine starke Antwort hinweist

    Konkrete Schilderung eines echten Vorfalls statt einer allgemeinen Aussage wie ich bleibe immer flexibel. Starke Antworten trennen die Diagnose in der Stunde (was lief schief, woran erkannt) von der Anpassung (welche konkrete Änderung am Ablauf). Kandidat:innen ohne konkretes Beispiel haben selten eigenständig unterrichtet.

  2. VerhaltensbezogenDidaktische Vermittlung und Differenzierung

    Erzählen Sie von einer:einem Lernenden, die:der über mehrere Wochen keine Fortschritte gemacht hat. Was haben Sie unternommen?

    Worauf eine starke Antwort hinweist

    Strukturierte Diagnose vor der Maßnahme: welches konkrete Verständnisproblem wurde identifiziert, welche zweite Erklärungsmethode oder welches zusätzliche Material kam zum Einsatz. Kandidat:innen, die nur mehr Übung als Antwort nennen, zeigen wenig didaktische Tiefe.

  3. VerhaltensbezogenKommunikation mit Eltern, Erziehungsberechtigten und Institutsleitung

    Beschreiben Sie ein schwieriges Gespräch mit Eltern oder Erziehungsberechtigten. Worum ging es, und wie sind Sie vorgegangen?

    Worauf eine starke Antwort hinweist

    Fähigkeit, eine unbequeme Rückmeldung (schwacher Lernstand, Verhaltensauffälligkeit) sachlich und mit konkreten nächsten Schritten zu vermitteln, ohne die Beziehung zu beschädigen. Kandidat:innen, die nie ein schwieriges Elterngespräch führen mussten, hatten meist wenig direkten Kontakt zu Erziehungsberechtigten.

  4. VerhaltensbezogenVerlässlichkeit und Terminplanung

    Erzählen Sie von einer Situation, in der Sie eine Unterrichtseinheit kurzfristig verschieben oder absagen mussten. Wie haben Sie das kommuniziert, und was war die Folge?

    Worauf eine starke Antwort hinweist

    Proaktive, frühzeitige Kommunikation mit konkretem Ersatztermin statt einer bloßen Absage. Kandidat:innen, die die Kommunikation komplett an die Institutsleitung abgeben, zeigen eine schwächere Verlässlichkeits-Haltung.

Evaluations-Playbook

Die Eignung einer Lehrkraft zeigt sich am zuverlässigsten dort, wo tatsächlich unterrichtet wird. Verlassen Sie sich nicht allein auf Zeugnisse oder das Gespräch; die Probestunde in Stufe 4 liefert das stärkste Signal.

  1. Stufe 1: Unterlagen- und Qualifikationsprüfung

    Prüfen Sie zuerst, welcher Trägertyp vorliegt (Ersatzschule oder Ergänzungsschule), und leiten Sie daraus die tatsächliche Qualifikationsanforderung ab, nicht umgekehrt. Bei Ersatzschulen: Nachweis einer dem 2. Staatsexamen fachlich angenäherten Ausbildung für die spätere Unterrichtsgenehmigung. Bei Sprachschulen, Nachhilfeinstituten und Weiterbildungsanbietern zählen Fachnachweis und Unterrichtserfahrung mehr als ein formaler Abschluss. Klären Sie in dieser Phase auch, ob ein erweitertes Führungszeugnis vorgelegt werden kann.

  2. Stufe 2: Kurzes Telefonat (20 Min.)

    Drei Fragen: (1) Welche Zielgruppe und welches Fach haben Sie zuletzt unterrichtet, (2) Sind Sie für die ausgeschriebenen Zeiten und die Vertragsart (Festanstellung oder Honorar) tatsächlich verfügbar, (3) Warum jetzt der Wechsel oder Einstieg. Go/No-Go direkt danach; vertiefte fachliche Fragen gehören in Stufe 3.

  3. Stufe 3: Strukturiertes Interview (60 Min.)

    Folgen Sie den 16 Fragen oben, mit mindestens einer Frage aus jedem Bereich. Bei Rollen mit Kontakt zu Minderjährigen: die situative Frage zur Sorgfaltspflicht nicht auslassen, unabhängig davon, wie routiniert die Antworten zu den übrigen Fragen wirken. Eine Person aus der Fachbereichs- oder Institutsleitung sollte im Gespräch sitzen.

  4. Stufe 4: Probeunterricht (30 bis 45 Min.)

    Die:der Kandidat:in hält eine reale oder realitätsnah simulierte Unterrichtseinheit vor der Zielgruppe oder einer vergleichbaren Testgruppe, mit selbst mitgebrachtem oder vorgegebenem Material. Beobachten Sie Gruppenführung, Tempo und Reaktion auf Verständnisfragen; das lässt sich im Gespräch nicht zuverlässig simulieren. Kurzes Feedbackgespräch direkt danach.

  5. Stufe 5: Referenzgespräch

    Rufen Sie eine ehemalige Fachbereichs- oder Institutsleitung an, keine reine Kolleg:innen-Referenz. Fragen Sie konkret nach Verlässlichkeit (Ausfälle, Pünktlichkeit), nach dem Umgang mit einer schwierigen Lerngruppe und danach, ob die Person morgen wieder eingestellt würde.

Woran Sie eine hervorragende Besetzung erkennen

KompetenzUnter AnforderungAuf NiveauÜber Anforderung
Fachliche Tiefe im UnterrichtsfachKennt den Lehrstoff auf dem Niveau, das direkt vor der eigenen Unterrichtsstufe liegt, ohne Reserve für Verständnisfragen jenseits des Lehrbuchs. Weicht bei spontanen Fragen häufig auf das schaue ich nach aus.Beherrscht den Lehrstoff mit deutlicher Reserve über die unterrichtete Stufe hinaus. Beantwortet spontane Verständnisfragen aus dem Stegreif und ordnet sie in einen größeren Zusammenhang ein.Wird von Kolleg:innen als fachliche Referenz für das eigene Fach angesehen. Bereitet Lernende erkennbar über den Mindeststoff hinaus vor, etwa auf Wettbewerbe, höhere Prüfungsstufen oder Anschlusskurse.
Didaktische Vermittlung und DifferenzierungUnterrichtet die gesamte Gruppe im selben Tempo mit derselben Methode, unabhängig vom individuellen Lernstand. Reagiert auf Verständnisprobleme mit Wiederholung derselben Erklärung.Erkennt unterschiedliche Lernstände innerhalb der Gruppe und passt Tempo oder Aufgaben in Teilen an. Nutzt mindestens zwei verschiedene Erklärungsansätze für denselben Sachverhalt.Baut Differenzierung systematisch in die Unterrichtsplanung ein, mit separaten Aufgaben oder Zielen für unterschiedliche Lernstände in derselben Gruppe. Passt die Methode noch während der Stunde an beobachtbare Reaktionen an.
Gruppenführung und AufmerksamkeitssteuerungVerliert bei Unruhe in der Gruppe schnell die Struktur der Stunde. Greift überwiegend mit Ermahnungen ein, ohne die zugrunde liegende Ursache zu adressieren.Hält die Gruppe über die volle Unterrichtseinheit bei der Sache, mit klaren Übergängen zwischen Phasen. Interveniert bei Störungen gezielt, ohne den Ablauf der Stunde zu unterbrechen.Führt auch schwierige oder sehr heterogene Gruppen souverän, ohne Disziplinierung als Hauptinstrument zu nutzen. Andere Lehrkräfte fragen aktiv nach der eigenen Methode zur Gruppenführung.
Verlässlichkeit und TerminplanungSagt Unterrichtstermine wiederholt kurzfristig ab oder verschiebt sie ohne klare Vorankündigung an Lernende oder Eltern.Hält vereinbarte Termine zuverlässig ein und kündigt notwendige Änderungen frühzeitig mit Ersatzvorschlag an.Plant den eigenen Terminkalender so vorausschauend, dass Ausfälle die Ausnahme bleiben, und hat ein dokumentiertes Vertretungsverfahren für den Ernstfall.
Kommunikation mit Eltern, Erziehungsberechtigten und InstitutsleitungKommuniziert Lernfortschritt nur auf explizite Nachfrage und in sehr allgemeinen Formulierungen ohne konkrete nächste Schritte.Gibt regelmäßig und unaufgefordert konkrete Rückmeldung zu Lernfortschritt, mit klar benannten nächsten Schritten.Wird von Eltern oder Auftraggebenden aktiv als Ansprechperson gesucht, gerade bei schwierigen Gesprächen, und vermittelt unbequeme Rückmeldungen ohne Eskalation.
Sorgfaltspflicht im Umgang mit MinderjährigenKennt die eigene Aufsichtspflicht nur vage und hat keine klare Vorstellung, wann eine Beobachtung an die Institutsleitung weitergegeben werden muss.Kennt die eigene Aufsichtspflicht und die Meldewege bei Auffälligkeiten oder Verdachtsfällen, auch wenn sie selten zum Einsatz kommen.Hat bereits einmal einen konkreten Verdachtsfall korrekt eskaliert oder dokumentiert und kann den eigenen Entscheidungsweg im Detail nachvollziehbar erklären.

30/60/90-Tage-Plan

Bis Tag 30

  • Unterrichtsmaterial, Lehrplan oder Curriculum und vorhandene Lernstandsdaten der übernommenen Gruppe gesichtet
  • Mindestens eine Unterrichtseinheit hospitiert oder gemeinsam mit der Fachbereichsleitung gehalten, mit direktem Feedback danach
  • Vorstellung bei Eltern oder Auftraggebenden der übernommenen Gruppe, inklusive Kontaktweg für Rückfragen
  • Erweitertes Führungszeugnis vorgelegt und, bei einer Ersatzschule, Unterrichtsgenehmigung beantragt

Bis Tag 60

  • Alle zugewiesenen Unterrichtseinheiten eigenständig und ohne Begleitung durchgeführt
  • Erste dokumentierte Lernstandserhebung für die übernommene Gruppe abgeschlossen und an Eltern oder Auftraggebende kommuniziert
  • Feste Kadenz für Rückmeldung etabliert, zum Beispiel alle sechs Wochen

Bis Tag 90

  • Unterrichtsgenehmigung erteilt (Ersatzschule) oder erstes reguläres Feedbackgespräch mit der Institutsleitung geführt (Ergänzungsschule)
  • Mindestens eine eigene Anpassung an Lehrplan oder Differenzierung vorgenommen und dokumentiert
  • Verlässliche Terminhistorie ohne kurzfristige Ausfälle über das komplette Quartal

Aktualisiert

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