Elektriker:in (m/w/d)

DeutschlandEinstieg

Stellenausschreibung, Tariflohn, Sourcing-Kanäle und 15 Interviewfragen, um eine qualifizierte Elektrofachkraft im deutschen KMU einzustellen.

Auf einen Blick

  • Einstellungsdauer50–100 Tage
  • Erfahrung0–5 Jahre

Die Weichenstellungen vor der Anzeige

Eine unbesetzte Elektriker-Stelle kostet in einem Handwerksbetrieb oder einer Facility-Abteilung schneller echtes Geld als in den meisten anderen Rollen: liegen gebliebene Aufträge, Kolleg:innen, die Mehrarbeit auffangen, Kund:innen, die zur Konkurrenz wechseln. Vier Dinge lohnt es sich, vor der ersten Anzeige zu klären.

Geselle oder Meister? Für die allermeiste Alltagsarbeit — Installation, Wartung, Fehlersuche, sogar die eigenständige Wiederholungsprüfung nach DIN VDE 0105-100 — reicht ein:e Elektriker:in mit Gesellenbrief und Status als Elektrofachkraft nach DGUV Vorschrift 3 vollkommen aus. Ein Meisterbrief wird erst zur Pflicht, wenn diese Person selbst einen Betrieb führen oder als verantwortliche Elektrofachkraft im Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragen werden soll (§ 13 NAV), relevant vor allem für Arbeiten am Netzanschluss, etwa am Zählerschrank oder beim Anschluss einer neuen PV-Anlage. Verlässt die eingetragene Fachkraft den Betrieb, ruht diese Eintragung, wenn binnen drei Monaten kein Ersatz gefunden wird. Klären Sie vor der Anzeige, ob Sie genau diese eine Position besetzen oder eine zusätzliche ausführende Fachkraft für den bestehenden Betrieb suchen: Die Anforderungen und das Gehalt unterscheiden sich erheblich.

Welche Nachweise nicht verhandelbar sind. Ein Gesellenbrief allein sagt wenig darüber aus, ob jemand die Kriterien einer Elektrofachkraft nach DGUV Vorschrift 3 tatsächlich erfüllt, denn dazu gehört nachweisbare praktische Erfahrung, nicht nur die bestandene Prüfung. Fragen Sie im Vorstellungsgespräch konkret nach, seit wann und in welchem Umfang jemand ohne Aufsicht gearbeitet hat, und lassen Sie sich das durch Zeugnisse oder Referenzen bestätigen. Wer diesen Nachweis nicht führen kann, braucht in der Praxis noch eine Einarbeitungsphase unter Aufsicht, auch wenn der Gesellenbrief formal vorliegt.

Was die Stelle real kosten muss. Der Tariflohn des Elektrohandwerks zwischen ZVEH und IG Metall liegt seit dem 1. Januar 2026 bei 14,93 € pro Stunde und gilt branchenweit, auch für tarifungebundene Betriebe (BMAS). Das ist bereits gut einen Euro über dem allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn und in der Praxis der Boden, nicht die Zielmarke: Wer eine echte Fachkraft statt einer angelernten Hilfskraft sucht, zahlt für eine:n Elektroniker:in Energie- und Gebäudetechnik im bundesweiten Schnitt rund 17 € pro Stunde, mit spürbaren Aufschlägen in Bayern, Baden-Württemberg und für Zusatzqualifikationen wie Photovoltaik oder Ladeinfrastruktur.

Wo Sie überhaupt jemanden finden. Laut Handwerksblatt fehlten den deutschen Elektrobetrieben bereits Ende 2023 bundesweit mehr als 33.500 offene Gesellen-Stellen, 2021 waren es noch rund 26.300 (Handwerksblatt, März 2024); der Trend zeigt seither nicht nach unten. Ein einzelnes Jobportal reicht für dieses Marktsegment so gut wie nie. Multiposting-Software wie Join verteilt eine Anzeige automatisch an mehr als zehn organische Jobbörsen und öffnet bei Bedarf über 250 weitere, meist regionale Portale, aber das löst hier nur einen Teil des Problems: Die Kandidat:innen, die für diese Rolle infrage kommen, suchen häufig gar nicht digital, sondern kommen über die Handwerkskammer, die eigene Berufsschule oder eine Empfehlung aus dem Kolleg:innenkreis. Rechnen Sie mit einem breiteren Kanal-Mix und einem längeren Prozess als bei vergleichbaren Rollen ohne diese Knappheit.

Wenn diese vier Punkte geklärt sind, passen Sie die Vorlage im Tab Stellenausschreibung auf Ihren Betrieb an.

Wo Sie diese Rolle finden

  1. Handwerkskammer- und Innungs-Stellenbörsen

    Meist kostenlos, teils gegen Mitgliedsbeitrag der Innung

    Für eine Rolle mit echter Fachkräfte-Knappheit oft ergiebiger als jedes generische Jobportal: Die Handwerkskammern und die Elektro-Innungen betreiben eigene, kostenlose Stellenbörsen, die gezielt von Gesellen und Wechselwilligen aus der Branche durchsucht werden, nicht von einem breiten Publikum. Der zuständige ZVEH-Landesinnungsverband listet zusätzlich offene Stellen auf seiner eigenen Seite. Ein Anruf bei der Kammer vor Schaltung der Anzeige lohnt sich zusätzlich: Viele Kammern kennen aktuell wechselwillige Gesellen aus ihrem eigenen Beratungsgeschäft.

  2. meinestadt.de und regionale Jobbörsen

    Ab rund 150-300 € pro Anzeige (30 Tage), regional gestaffelt

    Elektriker:innen suchen fast immer im Umkreis ihres Wohnorts, weil Fahrzeit zur Baustelle oder zum Kundeneinsatz Teil des Jobs ist. Regionale Portale wie meinestadt.de erreichen genau dieses Suchverhalten besser als bundesweite Plattformen, die auf Reichweite statt auf Ortsnähe optimieren. Eine Anzeige, die die tatsächlichen Einsatzorte oder den Fahrradius explizit nennt, filtert hier deutlich besser als eine generische Standortangabe.

  3. Übernahme eigener Auszubildender

    Interner Aufwand, keine externen Kosten

    Der günstigste und zuverlässigste Kanal ist oft gar kein externer Kanal: Ein Betrieb, der selbst ausbildet, kennt die Leistung, Zuverlässigkeit und Passung eines Azubis schon drei bis dreieinhalb Jahre vor dem Gesellenbrief. Angesichts von bundesweit mehr als 17.000 unbesetzten Ausbildungsplätzen im Elektrohandwerk ist die Konkurrenz um Azubis selbst hoch, aber wer erfolgreich ausbildet und früh ein konkretes Übernahmeangebot macht, muss diese Stelle danach oft gar nicht mehr extern ausschreiben.

  4. Mitarbeiterempfehlungen im Fachkollegen-Netzwerk

    Übliche Prämienspanne 500-1.500 € nach bestandener Probezeit

    Elektriker:innen kennen aus Berufsschule, Meisterschule und früheren Baustellen meist mehrere andere Elektriker:innen aus der Region. Eine spürbare, unkompliziert ausgezahlte Empfehlungsprämie erreicht damit gezielt Personen, die aktuell nicht aktiv suchen, aber wechseln würden, wenn sich die Gelegenheit ergibt. In einem Markt mit echter Knappheit ist das oft der schnellste Weg zu einem passiven, aber wechselbereiten Profil.

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