Medizinische:r Fachangestellte:r (MFA)
Häufige Fragen zum Einstellungsprozess für Medizinische:r Fachangestellte:r (MFA) sowie die häufigsten Fehler dabei.
Häufige Fehler bei der Besetzung dieser Rolle
Vier Stolperstellen sind in der MFA-Einstellung in deutschen Praxen besonders häufig. Sie führen meist nicht zu sofortigem Scheitern, sondern zu Turnover nach 6-12 Monaten oder zu schlechtem Praxisklima.
MFA mit Arzthelferin oder Praxismanager:in verwechseln
Die Berufsbezeichnung Arzthelferin wurde 2006 durch Medizinische:r Fachangestellte:r ersetzt, viele Stellenanzeigen verwenden die Begriffe aber bis heute synonym. Eine erfahrene Arzthelferin aus den 1990er Jahren mit 25 Jahren Routine hat oft eine andere Ausbildungstiefe (kürzere Berufsausbildung, weniger formalisierte Abrechnungs- und Hygieneausbildung) als eine MFA mit aktuellem IHK-Abschluss. Die:der Praxismanager:in wiederum ist eine Aufstiegsqualifikation oberhalb der MFA mit Steuerungsverantwortung für die ganze Praxis (Personal, Abrechnung, Hygienemanagement, Qualitätssicherung, Wirtschaftlichkeit). Wer eine MFA-Anzeige mit Erwartungen einer Praxismanager:in schreibt, zahlt entweder 28 k€ für ein überfordertes Profil oder vergrault qualifizierte MFA-Kandidat:innen mit überzogenen Anforderungen. Benennen Sie die gesuchte Funktion eindeutig im Titel und im Aufgabenprofil.
Fachgebiet der Praxis nicht eindeutig in der Anzeige nennen
Eine MFA aus einer hausärztlichen Praxis arbeitet mit anderen Reflexen als eine MFA aus einer kardiologischen, dermatologischen, gynäkologischen, kinderärztlichen oder onkologischen Praxis. Die fachspezifischen Routinen (Spirometrie, Ergometrie, dermatologische Vorbereitung, Ultraschall-Vorbereitung, Impfmanagement, Chemotherapie-Assistenz) sind nicht beliebig austauschbar. Wer in der Anzeige nur MFA gesucht schreibt, ohne das Fachgebiet zu benennen, erhält Bewerbungen aus allen Disziplinen und verbringt überproportional viel Zeit in der Sichtung mit Profilen, die in der eigenen Praxis 8-10 Wochen Einarbeitung brauchen. Nennen Sie das Fachgebiet im Titel oder in den ersten zwei Sätzen der Anzeige ; das spart Zeit auf beiden Seiten.
Software-Routine nicht prüfen oder oversellen
Sehr viele Bewerbungen erwähnen mehrere Praxissoftware-Systeme im Lebenslauf (Albis, T2med, MediStar, Medatixx). In der Realität haben viele MFA nur eine Software auf operativem Niveau genutzt und die anderen nur am Rande gesehen. Im Hospitationstag oder in der ersten Arbeitswoche zeigt sich das schnell. Stellen Sie deshalb im Telefon-Screen die konkrete Frage Welches Modul beherrschen Sie sicher und wie viele Quartalsabrechnungen haben Sie eigenständig vorbereitet ? und plonen Sie 4-6 Wochen strukturierte Einarbeitung in die Praxis-eigene Software ein, auch bei erfahrenen Profilen.
Schweigepflicht und Sensibilität nicht explizit testen
Die MFA hat täglich Zugang zu hochsensiblen Gesundheitsdaten (Diagnosen, Befunde, Medikation, soziale Hintergründe, Personalakten der Praxis). Eine Verletzung der Schweigepflicht nach § 203 StGB kann Straffolge auslösen (Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr) und führt arbeitsrechtlich regelmäßig zur fristlosen Kündigung. Trotzdem bleibt das Thema in vielen MFA-Einstellungsgesprächen unangesprochen. Stellen Sie konkret die Wertefrage (Bekannte fragt nach Patient:in-Status) und beobachten Sie das Verhalten im Hospitationstag (Was wird laut im Empfang besprochen ? Werden Akten geschlossen ? Wird der Bildschirm gedreht, wenn ein:e Patient:in in den Empfangsbereich tritt ?). Wer das Thema nicht prüft, kauft das Risiko blind ein.