Elektroingenieur:in
Häufige Fragen zum Einstellungsprozess für Elektroingenieur:in sowie die häufigsten Fehler dabei.
Häufige Fehler bei der Besetzung dieser Rolle
Die Einstellung einer:eines Elektroingenieur:in mit 3-8 Jahren Erfahrung scheitert selten am Lebenslauf und oft an der falschen Lesart der konkreten Auslegungs-Praxis. Die folgenden Fehler tauchen in deutschen KMU regelmäßig auf.
Auf EPLAN-Beherrschung statt auf Auslegungs-Substanz einstellen
Die häufigste Falle: ein:e Kandidat:in zeigt 7 Jahre EPLAN Electric P8 und einen sauberen Schaltplan-Showreel, und die Analyse hört dort auf. Ohne Verständnis der Selektivitätsberechnung, der Kabelquerschnitts-Dimensionierung nach DIN VDE 0100, der Verlust- und Wärmebilanz im Schaltschrank und der harmonischen Belastung sagt die CAE-Tool-Beherrschung wenig aus. Vertiefen Sie immer mit: Erzählen Sie mir die schwierigste Dimensionierungs-Entscheidung der letzten 12 Monate, inklusive Selektivitäts- und Kurzschluss-Berechnung. Wer ausweicht, hat ein Zeichner:innen-Profil, kein Auslegungs-Profil.
Elektroingenieur:in und Elektrokonstrukteur:in verwechseln
Im deutschen Sprachraum überschneiden sich die Begriffe Elektroingenieur:in (Studium an TU oder FH, Auslegungs- und Berechnungsverantwortung) und Elektrokonstrukteur:in (oft Techniker-Hintergrund, fokussiert auf Schaltplan-Detailarbeit und Stücklisten-Erstellung). Die Vermischung führt zu zwei klassischen Ergebnissen: entweder zahlen Sie 70 k€ für ein Profil, das in der Praxis 80 Prozent reine EPLAN-Detailarbeit macht, oder Sie zahlen 50 k€ für ein Profil, von dem Sie eine Selektivitätsanalyse und eine Konformitätsbewertung nach Maschinenrichtlinie erwarten, ohne dass die Substanz dafür da ist. Klären Sie den Scope explizit in der Stellenausschreibung.
Elektrofachkraft-Qualifikation und DGUV V3 unterschätzen
Eine Elektroingenieur:in, die elektrische Anlagen plant, prüft oder in Betrieb nimmt, muss als Elektrofachkraft nach DGUV Vorschrift 3 qualifiziert und schriftlich vom Arbeitgeber bestellt sein. Im KMU passiert oft, dass dieser Punkt erst beim ersten Audit oder bei der ersten Inbetriebnahme auffällt. Im Interview konkret fragen: Sind Sie als Elektrofachkraft schriftlich bestellt? Welche wiederkehrenden Prüfungen nach DGUV V3 verantworten Sie? Wer ausweicht, kann technisch stark sein, ist aber für Inbetriebnahmen und für die Verantwortung als Anlagenverantwortliche:r nach DIN VDE 0105-100 nicht direkt einsetzbar.
Tarifbindung und IG-Metall-Erwartung übergehen
In tarifgebundenen Unternehmen (Metall- und Elektroindustrie, häufig in Süddeutschland) erwartet ein:e Elektroingenieur:in mit 3-8 Jahren Erfahrung eine Einstufung nach ERA (oft EG 10 bis EG 12) plus Sonderzahlungen und 35-Stunden-Woche. Wenn Sie ein Profil aus einem Tarifbetrieb in ein nicht-tarifgebundenes KMU holen, müssen Sie das Gesamt-Paket (Fixum, Sonderzahlungen, Arbeitszeit, Urlaub, Altersvorsorge) sauber rechnen. Eine schlichte Fixum-Erhöhung von 6 Prozent reicht selten aus, um das Tarifpaket zu kompensieren.