DevOps Engineer:in
Strukturierte Interviewfragen für DevOps Engineer:in — mit dem Signal, auf das eine starke Antwort jeweils hinweist.
VerhaltensbezogenAutomatisierungs-Mindset Beschreiben Sie eine CI/CD-Pipeline, die Sie entworfen und in Produktion gebracht haben. Welche Entscheidungen haben Sie zu Build-Reproduzierbarkeit, Test-Stufen und Deployment-Strategie getroffen?
Worauf eine starke Antwort hinweistBewusste Entscheidungen statt Default-Übernahme: deterministische Builds (Lockfiles, Container-Digests, keine latest-Tags), explizite Test-Stufen (Unit, Integration, Smoke, E2E) mit Begründung der Reihenfolge, Deployment-Strategie passend zum Risiko (Rolling, Blue-Green, Canary, Feature-Flag). Bonus: die:der Kandidat:in nennt Entscheidungen, die sie:er heute anders treffen würde. Wer ohne Reflexion alles in Jenkins-Skripten mit shell scripts beschreibt, hat selten ernsthaft abgewogen.
VerhaltensbezogenIncident-Response Erzählen Sie mir von einem Production-Incident, den Sie federführend gelöst haben. Was war das Symptom, wie haben Sie diagnostiziert und wie lange hat es gedauert?
Worauf eine starke Antwort hinweistStrukturierte Debug-Methode: Reproduktion, Logs, Metriken, durch Experiment validierte Hypothesen. Ehrlichkeit zur Dauer (ein echter Production-Incident mit Wirkung ist selten in unter 30 Min. geschlossen). Bonus: die:der Kandidat:in nennt die Grundursache und den systemischen Fix (Post-mortem, Runbook, neuer Alarm, Architektur-Anpassung), nicht nur den Hotfix. Antworten wie Ich habe den Cluster neugestartet ohne Diagnose deuten auf schwache Investigationsfähigkeit.
VerhaltensbezogenSystemdenken Beschreiben Sie eine Migration einer kritischen Komponente, die Sie verantwortet haben (Beispiel: On-Prem zu Cloud, VMs zu Kubernetes, eine Datenbank-Engine-Migration). Wie haben Sie Downtime, Rollback und Daten- oder Trafficsteuerung behandelt?
Worauf eine starke Antwort hinweistSchrittweises Vorgehen: parallele Systeme mit Traffic-Shifting (1 %, 10 %, 50 %, 100 %), expliziter Rollback-Plan zu jedem Schritt, Validierung auf Daten- oder Funktions-Konsistenz vor jedem Cut-over. Bonus: die:der Kandidat:in nennt einen Fall, in dem die Migration länger gedauert hat als geplant, und was sie:er daraus gelernt hat. Wer eine Big-Bang-Migration ohne Rollback beschreibt, zeigt Risikoblindheit.
SituativIncident-Response Die P99-Latenz Ihrer kritischsten API steigt seit dem letzten Deploy auf 5 % der Anfragen über das SLO. Die Logs zeigen keinen offensichtlichen Fehler. Wie gehen Sie in den nächsten 30 Minuten vor?
Worauf eine starke Antwort hinweistStrukturierte Methode: (1) Rollback-Option offenhalten und Stakeholder kommunizieren, (2) Metriken korrelieren (CPU, Memory, Connection-Pool, Network, DB-Latenz, GC-Pausen), (3) verteiltes Tracing einer langsamen Anfrage von Edge bis DB, (4) Pattern identifizieren (Tageszeit, Endpoint, Tenant, Region). Wer sofort auf wird wohl die DB sein springt, ohne zu investigieren, hat einen Bias. Bonus: explizite Erwähnung, parallel ein Post-mortem-Dokument zu starten und einen On-Call-Backup einzubinden.
SituativDev/Ops-Kollaboration Ihr Team hat aktuell keine Tests in der Pipeline, manuelle Deployments per SSH, kein zentralisiertes Logging und kein Alerting. Sie haben 90 Tage. Wie sieht Ihr Plan aus?
Worauf eine starke Antwort hinweistZuerst Diagnose: nicht alles gleichzeitig reparieren wollen. Priorisierung nach Risiko und Wirkung (typisch: zuerst zentralisiertes Logging und Basis-Alerting für Sichtbarkeit, dann reproduzierbare Builds und ein erster automatisierter Deploy-Pfad für einen Service, dann Test-Pipeline für die kritischste Geschäftslogik, IaC-Erfassung zuletzt). Abstimmung mit Team und Tech Lead vor jeder Maßnahme. Wer sich direkt in eine vollständige GitOps-Migration mit Service Mesh stürzt, zeigt mangelnden Pragmatismus.
SituativDev/Ops-Kollaboration Ein:e Entwickler:in verlangt produktiven SSH-Zugang zu allen Servern, um schneller debuggen zu können. Wie reagieren Sie?
Worauf eine starke Antwort hinweistKlärung des fachlichen Bedarfs vor der Diskussion über die Lösung (oft lassen sich Debug-Anforderungen mit besseren Logs, Tracing und Just-in-Time-Zugriff lösen). Alternativvorschläge anbieten: bessere Observability, Read-only-Zugriffe, JIT-Access mit Audit-Trail, ephemerale Debug-Pods in Kubernetes. Antworten wie Klar, gebe ich ihm zeigen Sicherheits-Blindheit ; Antworten wie Niemals, das geht nicht zeigen mangelnde Kollaboration. Die richtige Antwort kombiniert konstruktives Pushback mit konkretem Alternativ-Pfad.
FachlichCloud-Infrastruktur Erklären Sie den Unterschied zwischen einem Kubernetes Deployment, einem StatefulSet und einem DaemonSet. Wann setzen Sie welches ein, und welche typischen Fallen gibt es?
Worauf eine starke Antwort hinweistSolides Verständnis der Workload-Typen: Deployment für stateless, austauschbare Pods (Web, API), StatefulSet für stabile Identität und persistente Storage-Bindung (Datenbanken, Queues), DaemonSet für einen Pod pro Node (Log-Forwarder, Network-Plugins). Typische Fallen: PVC-Verlust bei StatefulSet-Skalierung, Reihenfolge-Probleme bei Rolling Updates eines StatefulSets, DaemonSet auf Nodes ohne nötige Resources. Bonus: Erwähnung von PodDisruptionBudgets und Topology Spread Constraints. Wer die drei Typen nicht trennen kann, baut in Produktion Datenverlust-Risiken ein.
FachlichIncident-Response Was loggen, messen und alarmieren Sie auf einer Kubernetes-Plattform mit 20 bis 50 Services, bevor Sie sie als produktionsreif freigeben? Welche Werkzeuge nutzen Sie?
Worauf eine starke Antwort hinweistKlare Trennung von Logs (strukturiert, mit Trace-ID, zentralisiert in Loki, Elasticsearch oder einem Anbieter), Metriken (RED- oder USE-Methode: Rate, Errors, Duration ; oder Utilization, Saturation, Errors) und verteiltem Tracing (OpenTelemetry, Jaeger, Tempo). Konkrete Tool-Wahl mit Begründung (Prometheus plus Grafana, Datadog, Sentry, Loki). Alarme nur auf actionable Signale, mit SLOs und Error Budget pro Service. Cluster-Ebene: Node-Health, kube-state-metrics, Control-Plane-Latenz. Wer pauschal alles loggen sagt, zeigt fehlende Erfahrung mit Plattformen ab einer gewissen Größe.
FachlichCloud-Infrastruktur Welche Sicherheitsprüfungen führen Sie auf einem neuen Service durch, bevor er in den produktiven Kubernetes-Cluster geht? Welche Klassen von Angriffen halten Sie konkret im Blick?
Worauf eine starke Antwort hinweistKlare Liste: Container-Image-Scanning (Trivy, Grype) auf CVEs und Secrets, signierte Images (Cosign, Notary), Pod Security Standards (Restricted oder Baseline), Network Policies pro Namespace, Secrets über externen Manager (Vault, AWS Secrets Manager, Sealed Secrets), least-privilege RBAC pro ServiceAccount, Ressourcen-Limits gegen Noisy-Neighbor-Effekte. Konkrete Maßnahmen: Admission Controller (OPA Gatekeeper, Kyverno), Audit-Logs aktiv, sichere Egress-Regeln. Bonus: konkrete Erfahrung mit einem Vorfall, der durch eine dieser Maßnahmen verhindert oder eingegrenzt wurde.
CaseSystemdenken Design: wir wollen unsere bestehende monolithische Anwendung auf Kubernetes migrieren, ohne den Produktionsbetrieb zu stören. Wie entwerfen Sie das?
Worauf eine starke Antwort hinweistKlärung vor dem Vorschlag (Stack der Anwendung, Datenbank-Topologie, aktueller Deploy-Prozess, akzeptable Risiko-Toleranz, Cloud-Anbieter, Compliance-Anforderungen). Kohärente Migrationsstrategie: zunächst Container-isieren ohne Architektur-Änderung, parallele Bereitstellung in Kubernetes neben dem aktuellen System, Traffic-Shifting (1 %, 10 %, 50 %, 100 %) über Load Balancer, Rollback-Pfad pro Schritt. Bonus: explizite Behandlung von Stateful-Komponenten (DB, Sessions, File-Uploads), Observability vor dem Switch, schrittweiser Aufbau der Plattform-Capabilities (Logging, Monitoring, Tracing, Autoscaling) parallel zur Migration. Wer ohne Klärung sofort in den Code springt, zeigt eine Design-Schwäche.
CaseSystemdenken Design: wir wollen eine Disaster-Recovery-Strategie für eine kritische, datenintensive Anwendung in AWS. RPO 15 Min., RTO 1 Stunde, Single-Region akzeptabel. Wie entwerfen Sie das?
Worauf eine starke Antwort hinweistErkennen, dass RPO und RTO die Strategie diktieren: Multi-AZ als Basis (synchron, RPO nahe 0 für die DB), automatisierte Snapshots der Datenbank alle 15 Min., Point-in-Time-Recovery aktiv, getestete Restore-Prozeduren (nicht nur dokumentiert). Lösungsraum: RDS Multi-AZ oder Aurora, S3 mit Versioning und Cross-Region-Replication für statische Assets, Infrastructure-as-Code für schnelles Neuaufsetzen, regelmäßige DR-Drills. Bonus: explizite Behandlung der Anwendungs-Konsistenz (keine reinen Volume-Snapshots ohne Datenbank-Quiescence), klare Runbooks für den Restore. Wer Backups nimmt, ohne den Restore zu testen, hat keine DR-Strategie.
CaseIncident-Response Debug: in Ihrer Produktionsumgebung steigt die Latenz aller Services auf einem Kubernetes-Node intermittierend, dann erholt sie sich wieder. Andere Nodes sind unauffällig. Wie gehen Sie vor?
Worauf eine starke Antwort hinweistStrukturierte Methode: (1) Node-Metriken prüfen (CPU-Throttling, Memory-Pressure, Disk-IO, Network-Saturation, kubelet-Health), (2) Pod-Verteilung auf dem Node ansehen (Noisy Neighbor? Ein Pod mit hoher Resource-Nutzung ohne Limits?), (3) kernel-Logs auf dem Node (dmesg, journalctl), (4) Hardware oder zugrundeliegende EC2-Instanz prüfen (Steal Time, EBS-Saturation, Network-Burst-Credits aufgebraucht). Bonus: erkennen, dass intermittierend auf einem Node oft auf einen Resource-Engpass, einen problematischen Pod oder Hardware-Issues hindeutet, und sofort ein Cordon plus Eviction als Mitigation in Betracht ziehen.
WerteDev/Ops-Kollaboration Wie nehmen Sie eine kritische Code-Review zu einem Terraform-Modul oder einer Pipeline-Änderung auf, von der Sie überzeugt waren, dass sie gut ist?
Worauf eine starke Antwort hinweistOffenheit: Fähigkeit, Code vom persönlichen Ego zu trennen. Bonus: die:der Kandidat:in nennt einen Fall, in dem sie:er durch eine Review tatsächlich umgedacht hat (andere Modul-Struktur, andere Variable, andere Provider-Konfiguration). Wer beschreibt, der:dem Reviewer:in die eigene Logik nur erklärt zu haben, anstatt zuzuhören, zeigt eine Schwäche in der Coachability ; im KMU mit kleinem DevOps-Team ist das ein hartes K.o.-Signal.
WerteDev/Ops-Kollaboration Beschreiben Sie eine Situation, in der Sie eine Entwicklerin oder einen Entwickler dabei unterstützt haben, eigene Verantwortung für den Produktionsbetrieb zu übernehmen (Beispiel: ein Service ist neu in Ihre Bereitschaft gefallen).
Worauf eine starke Antwort hinweistAktive Mentorenhaltung: Pair-Programming auf kritischen Pfaden, gemeinsam erstellte Runbooks, Onboarding zu On-Call mit klarem Eskalations-Pfad, Weitergabe guter Praktiken (Backoff, Idempotenz, sichere Deploys). Wer sagt Ich übernehme das einfach selbst, ist schneller, zeigt eine zentralistische Haltung, die mit dem Skalierungsziel einer Plattform-Funktion kollidiert. Die richtige Antwort beschreibt Enablement, nicht Übernahme.
WerteAutomatisierungs-Mindset Was zieht Sie zur DevOps-Rolle im KMU statt zu einer Plattform-Team-Rolle in einem großen Konzern? Welche Aspekte würden Sie im KMU vermissen?
Worauf eine starke Antwort hinweistRealistisches Verständnis der Trade-offs: im KMU mehr Autonomie, ganzes Stack im Zugriff, direkter Produktbezug, aber weniger Spezialisierung, kleinere Inzident-Komplexität, weniger Resources für eigene interne Tools und Migrationen. Bonus: die:der Kandidat:in nennt konkrete Aspekte, die zum aktuellen Karrierezeitpunkt zur KMU-Umgebung passen (will Eigentum eines ganzen Bereichs übernehmen, will näher am Produkt sein). Wer Konzern als langsam und bürokratisch abqualifiziert, ohne die Vorteile zu nennen, zeigt mangelnde Reflexion.
Evaluations-Playbook
Die Rolle der DevOps Engineer:in zeigt sich über vier Evaluations-Stufen. Die Incident- und Architektur-Stufe (Stufe 3) ist für diese Rolle die prädiktivste: DevOps-Profile treffen täglich Entscheidungen zu Infrastruktur, Deployment-Strategie und Observability, die später schwer rückbaubar sind und im Produktionsbetrieb sichtbar werden.
Stufe 1: CV-Lektüre
Suchen Sie nach Stack-Konsistenz (ein Profil mit AWS und Terraform wechselt nicht ohne 3 bis 6 Monate Einarbeitung zu Azure und Pulumi), Stabilität (mindestens 18 bis 24 Monate auf vorherigen Positionen) und konkreten Produktionssignalen (eigenständig betriebene Cluster, On-Call-Erfahrung, sichtbares GitHub mit IaC-Modulen oder kubectl-Plugins, Mitarbeit an Post-mortems oder Runbooks). Der Abschluss zählt weniger als die letzten 3 bis 5 Jahre Praxis: ein:e Autodidakt:in mit 5 Jahren On-Call und Kubernetes in Produktion skaliert oft besser als ein:e Top-Uni-Absolvent:in ohne Pager-Erfahrung.
Stufe 2: Phone Screen (30 Min.)
Nur vier Fragen: (1) Beschreiben Sie die Infrastruktur, für die Sie zuletzt verantwortlich waren ; was war Ihr Beitrag?, (2) Erzählen Sie mir vom jüngsten Production-Incident, den Sie federführend bearbeitet haben., (3) Welche technische Entscheidung haben Sie kürzlich getroffen, an der Sie noch zweifeln? (Demut und Reflexion), (4) Warum suchen Sie jetzt einen Wechsel? Ergebnis: Go/No-Go in 5 Min. Debrief. Vermeiden Sie technische Gotcha-Fragen auf dieser Stufe.
Stufe 3: Technisches Interview und Architektur (90 Min.)
Zwei Teile: 40 bis 50 Min. Incident-Walkthrough auf einem realen Vorfall der:des Kandidat:in (Symptom, Hypothesen, Validierung, Grundursache, systemischer Fix, was beim nächsten Mal anders), gefolgt von 30 bis 40 Min. Architektur-Diskussion zu einem konkreten Fall (Wie würden Sie [konkrete Plattform-Komponente] aufbauen? Welche Trade-offs?). Bewerten Sie die Fähigkeit, laut zu denken, Annahmen vor der Lösung zu klären (erwartetes Volumen, Konsistenzgarantien, Failover, Compliance), zwischen Einfachheit und Skalierbarkeit abzuwägen und Unsicherheitszonen zu erkennen. Vermeiden Sie reine Trivia-Fragen ; bevorzugen Sie Fragen mit Bezug zum Tagesgeschäft.
Stufe 4: Referenzen (strukturierte Überprüfung)
Rufen Sie zwei Referenzen an: eine:n ehemalige:n Tech Lead oder direkte:n Vorgesetzte:n und eine:n ehemalige:n Engineering-Kolleg:in (Dev oder DevOps). Stellen Sie beiden dieselben 4 Fragen: Worin ist sie:er am stärksten? Worin würden Sie eine ergänzende Person einstellen? Würden Sie sie:ihn morgen wieder einstellen, warum? Ein Beispiel einer schwierigen technischen Entscheidung oder eines komplexen Incidents in Eigenverantwortung? Die 4. Frage liefert das eigentliche Autonomie- und Incident-Response-Signal.
Woran Sie eine hervorragende Besetzung erkennen
| Kompetenz | Unter Anforderung | Auf Niveau | Über Anforderung |
|---|---|---|---|
| Cloud-Infrastruktur | Stolpert über Fundamente (IAM, Netzwerk-Topologie, VPC, Container-Runtime, Kubernetes-Workload-Typen). Sucht Lösungen durch Versuch und Irrtum ohne klares mentales Modell. Schwer auf neue Cloud zu setzen. | Beherrscht den aktuellen Cloud-Stack eigenständig (AWS, GCP oder Azure, mindestens IAM, Compute, Netzwerk, Storage, Kubernetes oder vergleichbare Orchestrierung). Kann eine zweite Cloud in 2 bis 4 Wochen lernen. Versteht die Fundamente gut genug, um bei Bedarf tief zu debuggen. | Referenzperson für die Cloud-Plattform im Team und in der Lage, innerhalb weniger Wochen auf eine andere Cloud umzusteigen. Antizipiert klassische Fallen (IAM-Drift, NAT-Gateway-Kosten, EBS-Burst-Credits, kubelet-Speicher-Pressure, Connection-Limits an Load Balancern). Baut nützliche, nicht verfrühte Abstraktionen (wieder verwendbare Terraform-Module mit klaren Verträgen). |
| Systemdenken | Springt ohne Klärung der Bedingungen in die Lösung. Überarchitekturiert (Service Mesh für 3 Services) oder unterarchitekturiert (alles als ein VM-Setup ohne Grenzen). Schwer beim Abwägen zwischen Einfachheit, Konsistenz und Skalierbarkeit. | Klärt Bedarf, Last, Konsistenzanforderungen und Compliance vor dem Bauen. Pragmatisch beim Abwägen: keine vorzeitige Architektur für unsichere Zukunft, identifiziert aber Zonen, in denen Struktur sich auszahlt (Idempotenz, Retry-Strategien, klare Service-Grenzen). Kann pivotieren, wenn die Ausgangshypothese nicht hält. | Entwirft Systeme, die gut altern: klare Plattform-Verträge zwischen App-Teams und Plattform, gut gewählte Konsistenzgarantien, idempotente und sichere Operationen, minimale Abhängigkeiten. Erkennt eigene Unsicherheitszonen und schlägt gezielte POCs vor. Trainiert das Team in systemischem Denken. |
| Incident-Response | Ohne Logs oder Metriken handlungsunfähig. Reagiert auf Incidents mit Neustart oder Glück. Keine strukturierte Diagnose. Loggt entweder zu wenig oder alles als Rauschen. Vermeidet On-Call. | Hat ein klares Vorgehen bei Incidents (Reproduktion, Hypothesen, Validierung, Mitigation, dann Fix). Setzt strukturierte Logs, sinnvolle Metriken und Tracing ein. Schreibt nach einem Incident ein Post-mortem, das Maßnahmen ableitet. Übernimmt On-Call ohne Murren. | Referenz im Team für Incident-Response: definiert SLOs, baut Alarm-Hygiene auf (kein Pager-Müll), entwickelt Runbooks. Findet Grundursachen in komplexen verteilten Systemen schnell. Coacht das Team in Debug-Hygiene. Treibt Verbesserungen aus Post-mortems aktiv zur Umsetzung. |
| Dev/Ops-Kollaboration | Behandelt Entwickler:innen als Antragsteller:innen für Tickets. Defensive Haltung in Reviews. Arbeitet im Silo, teilt wenig Kontext. Sicherheits- oder Plattform-Regeln werden ohne Erklärung durchgesetzt. Reibung statt Partnerschaft. | Versteht sich als Plattform-Partner:in der Entwicklungs-Teams: erklärt Plattform-Entscheidungen in klarer Sprache, baut Self-Service dort, wo es Sinn macht, nimmt Anforderungen aus den App-Teams ernst. Nimmt Reviews konstruktiv auf. Teilt Kontext in Team-Reviews und 1:1, dokumentiert Architektur-Entscheidungen (ADR). | Brücke zwischen Plattform und App-Teams. Moderiert technische Debriefs, macht Abwägungen verständlich, verhandelt Plattform-Roadmap transparent. Aktive Mentorenhaltung gegenüber App-Entwickler:innen zu Observability, sicheren Deploys und Produktionsbetrieb. |
| Automatisierungs-Mindset | Bevorzugt manuelle Eingriffe (per SSH, Klicks in der Cloud-Konsole). Sieht Infrastructure-as-Code als Bürokratie. Wiederkehrende Aufgaben werden wiederholt manuell ausgeführt. ClickOps-Drift als Standardzustand. | Schreibt Infrastructure-as-Code als Default (Terraform, Pulumi, CloudFormation). Wiederkehrende Aufgaben werden skriptbasiert oder über die Pipeline automatisiert. Deployment, Provisionierung und Routine-Operationen sind reproduzierbar und versioniert. Drift wird erkannt und behoben. | Treibt Automatisierungs-Standards für das ganze Team: wiederverwendbare Module mit Tests, GitOps für Cluster-State, automatisierte Compliance-Checks (Policy-as-Code), Self-Service-Plattform-Workflows für App-Teams. Baut Werkzeuge, die anderen das Leben erleichtern, statt sie sich selbst zu reservieren. |
| Autonomie und Findigkeit | Blockiert sich stundenlang auf einem unbekannten Thema, ohne um Hilfe zu bitten, oder fragt bei jedem Hindernis sofort. Keine strukturierte Debug-Strategie unter Druck. Wartet auf klare Anweisungen statt Initiative zu zeigen. | Kann auf bekannten Themen eigenständig diagnostizieren ; fragt nach vorheriger Untersuchung um Hilfe (Zusammenfassung des Problems, Hypothesen, was bereits versucht wurde). Bleibt unter Incident-Druck handlungsfähig. Bringt Initiative für Verbesserungen ein. | Hohe Findigkeit auf unbekannten Themen: liest den Quellcode der Tools, instrumentiert die Plattform, isoliert Grundursachen, baut bei Bedarf neue Werkzeuge. Dokumentiert die Erkenntnisse für das Team. Treibt eigenständig Plattform-Verbesserungen vom Konzept bis zur Auslieferung. |
30/60/90-Tage-Plan
Bis Tag 30
- Vollständiger Setup der lokalen Entwicklungsumgebung, Zugriff auf alle Cloud-Konten und Cluster, On-Boarding zu On-Call dokumentiert und ein erster kleiner IaC-Change in Produktion validiert
- Lesen und Verständnis der Architektur der Plattform: Cloud-Konten-Struktur, Netzwerk-Topologie, Cluster-Setup, CI/CD-Pipelines, Observability-Stack, kritische Runbooks
- Erstes dokumentiertes 1:1 mit der:dem Tech Lead zu Konventionen, identifizierter technischer Schuld, Eskalations-Pfaden und Prioritäten der nächsten 90 Tage
- Erster substantieller PR (Pipeline-Verbesserung, Monitoring-Lücke geschlossen, Runbook ergänzt) reviewt und gemerged
Bis Tag 60
- Lieferung einer vollständigen Plattform-Verbesserung von Anfang bis Ende (Konzept, IaC-Änderung, Pipeline-Integration, Monitoring, Dokumentation) in Eigenverantwortung
- Erste eigenständige Bereitschaftsphase mit Bearbeitung von mindestens einem Incident und Beitrag zum Post-mortem
- Erste PR-Review eines Kollegen oder einer Kollegin mit strukturiertem Feedback, nicht nur Approve-Klick ; aktive Mitarbeit an mindestens einer App-Team-Anfrage zur Plattform
- Dokumentation eines kürzlich bearbeiteten Plattform-Bereichs oder eines Runbooks verfasst oder aktualisiert
Bis Tag 90
- Regelmäßige Lieferung (1 bis 2 substantielle Changes pro Woche) mit in der Review bestätigter Qualität und sichtbarem Beitrag zu mindestens einer Architektur-Entscheidung
- Erste technische Entscheidung in Eigenverantwortung zu einem mehrdeutigen Plattform-Thema (Tool-Wahl, Cluster-Topologie, Backup-Strategie, Cost-Optimization)
- Informelles Mentoring eines Junior- oder neuen Profils, oder einer App-Entwicklerin zu Observability und sicheren Deploys
- Formales Bilanzgespräch mit der:dem Tech Lead: Ramp-Phase validiert, Entwicklungsplan auf 1 bis 2 Schwerpunkte (Beispiel: SRE-Tiefe, Security-Hardening, Cost-Engineering, Platform-PM-Skills)