Logistikleiter:in
Strukturierte Interviewfragen für Logistikleiter:in — mit dem Signal, auf das eine starke Antwort jeweils hinweist.
VerhaltensbezogenSupply-Chain- und Kosten-Steuerung Beschreiben Sie das letzte Frachtkosten-Optimierungsprojekt, das Sie geführt haben. Was war die Ausgangssituation, welche Methode haben Sie verfolgt, und was war das Ergebnis 12 Monate später?
Worauf eine starke Antwort hinweistFähigkeit, einen vollständigen Zyklus zu erzählen: Initialdiagnose (Frachtstruktur pro Spediteur, pro Lane, pro Sendungstyp, Anteil Beschaffungs- vs. Distributions-Logistik), Konzeption (Hebel pro Kategorie: Tender, Konsolidierung, Carrier-Mix, Routenoptimierung, Trade-offs zwischen Kosten und Servicelevel), Rollout (Tender-Verfahren, Vertragsverhandlung, Implementierung mit IT- und Lager-Schnittstelle) und Monitoring (Indikatoren, Anpassungen). Bonus: die:der Kandidat:in nennt konkrete Zahlen (zum Beispiel Frachtkostenquote von 4,1 auf 3,3 Prozent vom Umsatz über 18 Monate gesenkt). Wer eine makellose Optimierung ohne Reibung beschreibt, zeigt entweder einen zu einfachen Fall oder fehlendes kritisches Auge.
VerhaltensbezogenSpediteur- und Dienstleister-Management Erzählen Sie von einer Situation, in der ein:e Hauptspediteur:in oder ein:e 3PL-Partner:in eine vereinbarte Leistung wiederholt nicht erbracht hat. Wie sind Sie vorgegangen?
Worauf eine starke Antwort hinweistÜbernommene Eskalations-Haltung: dokumentierte Mängel (OTIF-Daten, Reklamationsquote, Schäden statt Eindruck), strukturiertes Gespräch mit dem operativen Ansprechpartner zuerst, dann Eskalation auf Account-Manager und Geschäftsleitungs-Ebene, falls nötig. Fähigkeit, eine Vertragsstrafe oder eine Teilumstellung auf einen Backup-Carrier anzustoßen, ohne die Geschäftsbeziehung dauerhaft zu beschädigen. Wer mit ich habe einen anderen Anbieter genommen antwortet, ohne den Dialog mit dem aktuellen Anbieter beschrieben zu haben, zeigt Schwäche im Lieferanten-Management.
VerhaltensbezogenTeam- und Change-Steuerung Beschreiben Sie eine Situation, in der das Lager- oder Versandteam eine Logistik-Entscheidung (neues WMS, Schichtmodell, KPI-Einführung, Prozessänderung) abgelehnt hat. Wie sind Sie damit umgegangen?
Worauf eine starke Antwort hinweistChange-Haltung gegenüber dem operativen Team: aktives Zuhören vor Erklärung, klare Trennung zwischen Wunsch und Anforderung, Mitnahme der Teamleitungen vor Roll-out, Pilot vor Big-Bang. Bonus: die:der Kandidat:in beschreibt eine Anpassung des Vorhabens aufgrund eines berechtigten Team-Feedbacks und die Einbindung des Betriebsrats nach BetrVG bei Schicht- oder KPI-Themen. Wer beschreibt, sich auf die Hierarchie zurückgezogen zu haben, zeigt eine bürokratische Haltung, die im KMU schlecht funktioniert und Fluktuation auslöst.
SituativSupply-Chain- und Kosten-Steuerung Die Geschäftsleitung kündigt an, dass die Frachtkosten in 12 Monaten um 10 Prozent gesenkt werden sollen, ohne den Servicelevel zu verschlechtern. Sie haben 4 Wochen, um den Plan vorzuschlagen. Was tun Sie zuerst?
Worauf eine starke Antwort hinweistCadrage vor Exekution: die:der Kandidat:in identifiziert die nicht-verhandelbaren Datenpunkte (Sendungsstruktur in Stück, Gewicht und Volumen, Lanes mit Volumen, Carrier-Mix mit Anteil, aktuelle Vertragslaufzeiten, Servicelevel-Anforderungen pro Kundensegment, Saisonalität). Bonus: sie:er schlägt einen Tender auf 2-3 Lanes vor, bevor der Gesamt-Tender angegangen wird, und nennt konkrete Hebel (Konsolidierung, Routenoptimierung, Verhandlung der Zuschläge, Wechsel auf Sammelgut bei kleinen Sendungen, Direktverkehr bei hohen Volumen). Wer mit einer Spediteur-Auswahl-Liste startet, ohne die Sendungsstruktur zu prüfen, zeigt einen Reflex und ein hohes Fehleinkaufs-Risiko.
SituativOperative Exzellenz und KPI-Steuerung Drei OTIF-Einbrüche in einem Quartal auf dem gleichen Kundensegment haben zwei Eskalations-Calls mit den größten Kunden ausgelöst. Wie gehen Sie vor?
Worauf eine starke Antwort hinweistStrukturierte Methode: (1) Root-Cause-Analyse pro Sendung (Ursache: Lagerbestand, Kommissionierung, Carrier, Empfänger, Datenfehler), (2) Gespräch mit dem Lager- und Versand-Teamlead vor jeder Prozessänderung, (3) Sofortmaßnahme zur Stabilisierung des Servicelevels für die betroffenen Kunden (Express-Carrier, Direkttransport, manuelle Priorisierung), (4) Strukturelle Korrektur (Sicherheitsbestand, Lieferanten-Tender, WMS-Regel, Backup-Carrier). Bonus: die:der Kandidat:in erwähnt eine Kunden-Kommunikation mit Verbesserungs-Roadmap. Wer sofort zur Personal-Aufstockung oder zum Sammel-Abmahnungs-Reflex springt, zeigt fehlende Diagnose-Reife.
SituativOperative Exzellenz und KPI-Steuerung Ein neuer Großkunde fordert eine 48-Stunden-Lieferzusage auf 95 Prozent der Sendungen quer durch Deutschland, was Ihr aktueller Setup nicht abdeckt. Wie reagieren Sie operativ und kommerziell?
Worauf eine starke Antwort hinweistErkennen, dass die Service-Zusage eine strukturelle Entscheidung ist, keine reine Operations-Frage. Strukturierte Methode: (1) Machbarkeitsanalyse auf Basis Cut-off, Carrier-Netze und aktueller OTIF, (2) Kostenmodell mit Aufpreis-Carrier vs. eigener Express-Lane vs. zweitem Lager-Standort, (3) Verhandlung mit dem Vertrieb über Service-Aufschlag im Kundenangebot, (4) Pilot über 4-6 Wochen vor vollständiger Zusage. Bonus: die:der Kandidat:in erkennt, dass eine flächendeckende Express-Zusage unrentabel sein kann, wenn der Vertrieb sie nicht im Preis abbildet, und schlägt eine Service-Differenzierung nach Sendungsgröße vor. Wer das Thema reflexhaft mit Ja oder Nein beantwortet, zeigt fehlende kaufmännische Tiefe.
CaseSupply-Chain- und Kosten-Steuerung Deutsches KMU im Handel mit 18 Mio. EUR Umsatz, 95 Mitarbeitende im Logistik-Standort, 4500 Sendungen pro Monat (60 Prozent Paketdienst, 30 Prozent Stückgut, 10 Prozent Direktverkehr), Frachtkostenquote 4,3 Prozent vom Umsatz, OTIF 88 Prozent. Die Geschäftsleitung bittet um einen 18-Monats-Plan, der die Frachtkostenquote auf weniger als 3,5 Prozent bringt und OTIF auf mehr als 94 Prozent. Was schlagen Sie vor?
Worauf eine starke Antwort hinweistFähigkeit, ohne vollständige Daten zu diagnostizieren: die:der Kandidat:in fragt zuerst nach Kontextelementen (Carrier-Mix mit Anteil, Lanes mit Volumen, Cut-off, Kommissionier-Genauigkeit, Bestandsverfügbarkeit, Saisonalität). Schlägt dann strukturierte Hebel vor: (1) Carrier-Tender mit 3-4 eingeladenen Spediteuren auf die Hauptlanes, (2) Verlagerung von Paketdienst auf Stückgut bei größeren Sendungen mit Kostenmodell, (3) Cut-off-Optimierung im Lager zur Reduktion der Express-Quote, (4) OTIF-Programm mit wöchentlicher Sendungs-für-Sendungs-Analyse der Ausreißer, (5) Sicherheitsbestands-Review auf die Top-100-SKUs. Wer mit Wir verhandeln einfach die Tarife neu antwortet, zeigt fehlende Tiefe; die Frachtkostenquote besteht zu 50-60 Prozent aus Tarifen und zu 40-50 Prozent aus Sendungsstruktur und Servicelevel.
CaseWMS- und Supply-Chain-Software-Affinität Sie kommen an und stellen fest, dass kein WMS im Einsatz ist (das Lager läuft auf Excel-Listen und Papier-Pickscheinen), die Bestandsgenauigkeit ist bei 78 Prozent, und die Kommissionier-Fehlerquote bei 1,8 Prozent. Welcher 12-Monats-Plan strukturiert das, ohne die laufende Operative zu brüskieren?
Worauf eine starke Antwort hinweistSystemische Methode mit Change-Begleitung: (1) Stabilisierung der Ausgangslage (Inventur, Bestandsbereinigung, ABC-Analyse, Sicherheitsbestände, Kommissionier-Doppelkontrolle auf A-Artikeln) in den ersten 60 Tagen, (2) Auswahl eines WMS (LogiMAT-Anbieter, SAP EWM Light, PSI Logistics, viadat, proLogistik) mit Lastenheft und Tender, (3) Implementierungs-Roadmap mit Pilotlager oder Pilot-Bereich, (4) Schulung des Teams in 2-3 Wellen mit Champions, (5) Go-Live mit Fallback-Plan und intensiver Begleitung über 4-6 Wochen. Bonus: die:der Kandidat:in erwähnt die Mitbestimmung des Betriebsrats bei einem WMS mit Leistungs-Tracking-Komponente nach BetrVG und die DSGVO-Aspekte bei pickerbezogenen Daten. Wer ohne Stabilisierung sofort zur WMS-Auswahl springt, baut auf Sand.
CaseSupply-Chain- und Kosten-Steuerung Die Geschäftsleitung bittet Sie um eine Empfehlung zu S&OP (Sales and Operations Planning) für ein KMU mit 25 Mio. EUR Umsatz, 4 Standorten und einer aktuell sehr volatilen Bestandsentwicklung. Wie bauen Sie den Business Case auf?
Worauf eine starke Antwort hinweistFähigkeit, einen strukturierten Business Case zu bauen: (1) Diagnose der aktuellen Forecast-Genauigkeit und der Bestandsentwicklung (Reichweite pro Standort, Slow Mover, Out-of-Stocks), (2) Definition eines S&OP-Prozesses (monatlicher Rhythmus, Demand Review, Supply Review, Pre-S&OP, Executive S&OP), (3) Tool-Auswahl (Excel für den Start, dann SAP IBP, John Galt, Streamline, o9 Solutions je nach Reifegrad), (4) erwartete Effekte (Bestandsreduktion 10-20 Prozent, OTIF-Verbesserung 3-7 Punkte, Reduktion der Abschriften), (5) Pilot über 2 Standorte und 1 Produktfamilie vor Vollausrollung. Wer S&OP rein als Tool-Frage beantwortet, ohne den Prozess und die Cross-Funktional-Disziplin (Vertrieb, Einkauf, Produktion, Finance) zu nennen, hat keine S&OP-Reife.
FachlichOperative Exzellenz und KPI-Steuerung Welche Kennzahlen schauen Sie täglich, wöchentlich, monatlich an, um die Logistik zu steuern? Warum diese Kadenz?
Worauf eine starke Antwort hinweistGesunde Kadenz: täglich (offene Sendungen, OTIF des Vortages, Lager-Output, kritische Out-of-Stocks, Eskalationen), wöchentlich (OTIF-Trend, Reklamationen, Carrier-Performance, Lager-Produktivität pro Stunde, ausstehende Wareneingänge), monatlich (Frachtkostenquote, Bestandsreichweite und Slow Mover, Forecast-Genauigkeit, OEE des Lagers, Cost-to-Serve pro Kundensegment, Carbon-Footprint). Unterscheidung zwischen Frühindikatoren (Cut-off-Quote, Bestandsabweichung) und Spätindikatoren (Frachtkostenquote, OTIF). Wer 30 Indikatoren aufzählt oder nur die monatliche Frachtkostenquote anschaut, verfehlt die operative Steuerungsebene.
FachlichWMS- und Supply-Chain-Software-Affinität Beschreiben Sie die ideale Software-Stack für einen deutschen KMU-Logistik-Standort mit 95 Mitarbeitenden und 4500 Sendungen pro Monat. Welche Tools sind unverzichtbar und welche optional aus Ihrer Sicht?
Worauf eine starke Antwort hinweistKonkrete Vertrautheit mit einer modernen Stack: ERP-Anbindung (SAP, Microsoft Dynamics, proAlpha, abas), WMS (SAP EWM, viadat, PSI Logistics, proLogistik, LogiMAT-Anbieter), TMS (Cargoclix, Transporeon, Shippeo, Carrier-Portale), Frachten-Auditing (Shipsta, Container xChange, Datenbank-Lösungen), Forecasting und S&OP (Streamline, John Galt, SAP IBP), Track-and-Trace und Customer Portal, Carbon-Reporting (GLEC-konform). Bonus: die:der Kandidat:in unterscheidet das Unverzichtbare (ERP- und WMS-Integration ab 50 Mitarbeitenden, TMS ab 3-4 Hauptspediteuren) vom Optionalen je nach Phase (Forecasting-Tool ab 30 Mio. EUR Umsatz lohnt sich, darunter Excel). Wer ein einziges Ökosystem pusht, ohne zu nuancieren, zeigt einen Erfahrungs-Bias.
FachlichSpediteur- und Dienstleister-Management Ein Spediteur-Vertrag läuft in 6 Monaten aus. Beschreiben Sie den vollständigen Tender-Prozess von Daten-Erhebung bis Vertragsabschluss.
Worauf eine starke Antwort hinweistStrukturierte Methode: (1) Daten-Vorbereitung (Sendungsstruktur der letzten 12-24 Monate: Anzahl Sendungen, Gewicht, Volumen, Lanes, Servicelevel, Saisonalität, Reklamationen), (2) Lastenheft mit Service-Anforderungen (Cut-off, Zustellzeiten, Sendungsverfolgung, Schadenquote, Reporting), (3) Carrier-Auswahl (Long-List 6-8, Short-List 3-4 nach Vorqualifikation), (4) Tender-Verfahren (RfI, RfP mit Sendungs-Sample, RfQ auf finaler Sendungsdatei) idealerweise über eine Plattform (Cargoclix, Transporeon) oder strukturiertes Excel, (5) Verhandlung mit klarer Zielvorgabe (Grundtarife, Zuschläge Diesel und Maut, SLAs, Vertragslaufzeit, Indexierungs-Mechanismus), (6) Migration mit Übergangs-Plan und Stabilisierungs-Phase von 4-8 Wochen. Bonus: die:der Kandidat:in nennt eine Zielvorlaufzeit von 6-9 Monaten vor Ablauf, um Verlängerungs-Aufschlag und Operative-Druck zu vermeiden. Wer den Prozess unter 4 Schritten beschreibt, hat keine Tender-Reife.
WerteTeam- und Change-Steuerung Was ist Ihre Lesart der Logistikleitung in 2026 in einem deutschen KMU? Was hat sich aus Ihrer Sicht gegenüber vor 5 Jahren verändert?
Worauf eine starke Antwort hinweistAnerkennung der Rollenentwicklung: Aufstieg der Resilienz-Funktion nach Corona- und Energiepreis-Schocks (Multi-Carrier-Strategie, Nearshoring, Sicherheitsbestände auf kritische Komponenten), Verbreiterung in Richtung Carbon-Reporting und Lieferkettengesetz LkSG, Professionalisierung der Tools (WMS, TMS, S&OP), Bedeutung der Mitbestimmung des Betriebsrats bei Schicht- und Leistungs-KPIs. Wer die Rolle noch als Verwaltung von Lager und Transport beschreibt, zeigt eine veraltete Haltung; wer von Supply-Chain-Stratege:in, Resilienz-Verantwortliche:r und Nachhaltigkeits-Mit-Steuerung spricht, ist auf der Höhe.
WerteTeam- und Change-Steuerung Beschreiben Sie Ihre Beziehung zu den internen Stakeholdern (Geschäftsleitung, Vertrieb, Einkauf, Produktion, Finance, Betriebsrat). Wie finden Sie das Gleichgewicht zwischen Logistik-Steuerung und Service-Haltung gegenüber den Fachbereichen?
Worauf eine starke Antwort hinweistPartnerschafts-Haltung: Vorbereitung der Themen im Vorfeld, Antizipation der Bedürfnisse, Fähigkeit, Nein zu sagen oder eine Alternative vorzuschlagen, wenn eine Anfrage mit Kosten- oder Servicelevel-Realität kollidiert. Konkreter Bezug zum Betriebsrat bei Themen mit Mitbestimmungspflicht (Schichtmodelle, Leistungs-KPIs im WMS, Outsourcing-Themen). Bonus: die:der Kandidat:in nennt ein Thema, bei dem sie:er gegen die ursprüngliche Meinung der Geschäftsleitung oder des Vertriebs eine Empfehlung durchgesetzt hat. Wer eine reine Exekutions-Haltung beschreibt, zeigt eine Schwäche, die zur Marginalisierung führt; wer ein dauerhaftes Kräftemessen beschreibt, hat einen Fit-Mangel mit einer Partnerschafts-Rolle.
WerteSpediteur- und Dienstleister-Management Beschreiben Sie ein schwieriges Feedback, das Sie von einer:einem Geschäftsführer:in, Spediteur oder Mitarbeitenden zu Ihrer Arbeit erhalten haben. Wie haben Sie es aufgenommen, und was haben Sie geändert?
Worauf eine starke Antwort hinweistOffenheit für aufwärts- und transversgerichtetes Feedback: Zeichen von Demut und Coachability, zentral in einer Rolle, die mehreren Stakeholdern ausgesetzt ist. Fähigkeit, ein konkretes Beispiel zu nennen mit der daraus resultierenden Verhaltensänderung. Wer in Allgemeinplätzen spricht oder kein schwieriges Feedback nennt, hält die Position nicht, wo Reibung zwischen Kostendruck, Servicelevel und Team-Realität unvermeidlich ist. Bonus: die:der Kandidat:in erwähnt, das Gelernte mit Spediteuren oder dem Team geteilt zu haben.
Evaluations-Playbook
Die Rolle Logistikleiter:in zeigt sich über vier Evaluations-Stufen. Die Case Study (Stufe 3) ist zentral: ohne konkrete Mise en Situation auf einer Supply-Chain-Optimierung oder einem Spediteur-Tender lässt sich ein Profil, das Logistik steuert, schwer von einem unterscheiden, das nur über Logistik spricht.
Stufe 1: CV-Lektüre
Suchen Sie nach Kohärenz zwischen Standortgröße (30-150 Mitarbeitende in Lager, Versand und Transport ist die deutsche KMU-Bandbreite), Scope (rein Lager vs. End-to-End Lager plus Versand plus Transport plus Bestand), Branche (Handel, Industrie, Konsumgüter, Maschinenbau, Pharma haben sehr unterschiedliche Reflexe) und der Art der gesteuerten Themen (OTIF, Bestandsoptimierung, Frachtkosten, Spediteur-Tender, WMS, S&OP, Zoll, Gefahrgut). Discount: reine Lagerleitungs-Profile ohne kaufmännische und Transport-Verantwortung, reine Einkaufs-Profile ohne operativen Logistik-Bezug, oder Aneinanderreihung von 12-Monats-Stationen. Prüfen Sie die Erwähnung der einschlägigen Regelwerke: ein CV, der GüKG (Güterkraftverkehrsgesetz), GGVSEB (Gefahrgut), Zollkodex oder VDA-Standards nicht erwähnt, beschreibt selten eine vollständige End-to-End-Verantwortung.
Stufe 2: Telefon-Screen (30 Min.)
Nur drei Fragen: (1) Beschreiben Sie Ihren aktuellen Scope (Mitarbeitende, Sendungen pro Tag, Lagerflächen, Frachtvolumen, Hauptspediteure), (2) Welches Optimierungsprojekt zur Senkung von Frachtkosten, Bestand oder OTIF-Steigerung haben Sie dieses Jahr eigenständig geführt? (prüft Autonomie und kaufmännische Reife), (3) Warum suchen Sie jetzt einen Wechsel? (klare Erzählung vs. dispers). Ausgang: Go oder No-Go in 5 Min. Debrief, nicht mehr.
Stufe 3: Case Study Supply-Chain-Optimierung oder Spediteur-Auswahl (90 Min.)
Geben Sie der:dem Kandidat:in eine realistische Situation vorab: zum Beispiel eine Frachtkostenanalyse über 8 Mio. EUR Jahresvolumen mit 6 Spediteuren und einem Tender-Plan über 12 Monate, oder eine OTIF-Verbesserung von 87 auf 95 Prozent in 6 Monaten ohne Bestandserhöhung. Erwarten Sie ein zwei- bis dreiseitiges schriftliches Dokument plus 60 Min. Diskussion. Bewerten Sie Methode, Datenqualität (welche Kennzahlen werden angefasst), Priorisierung und die Qualität der Klärungsfragen, die vorab gestellt wurden. Ein:e gute:r Logistikleiter:in stellt 5-8 Klärungsfragen, bevor sie:er antwortet, und unterscheidet klar zwischen Volumen, Gewicht, Sendungsstruktur, Servicelevel und Saisonalität.
Stufe 4: Referenzen (strukturierte Überprüfung)
Rufen Sie zwei Referenzen an: eine:n ehemalige:n Geschäftsführer:in oder COO und eine:n ehemalige:n Spediteur-Account-Manager:in oder WMS-Partner:in. Stellen Sie beiden die gleichen 4 Fragen: Worin ist sie:er am stärksten? Worin würden Sie eine ergänzende Person einstellen? Würden Sie sie:ihn morgen wieder einstellen, warum oder warum nicht? Ein konkretes Beispiel eines schwierigen Spediteur-Tenders oder einer Krisensituation (Streik, Ausfall, Qualitätsproblem), die sie:er gehandhabt hat? Die 4. Frage liefert das meiste Signal: ein:e Logistikleiter:in, die:der keine Krisensituation über Referenzen erzählen kann, hat wahrscheinlich überall Sicherheit gespielt.
Woran Sie eine hervorragende Besetzung erkennen
| Kompetenz | Unter Anforderung | Auf Niveau | Über Anforderung |
|---|---|---|---|
| Supply-Chain- und Kosten-Steuerung | Liest die Frachtrechnung punktuell; rechnet in Monats-Cash-Out, ohne die Kostenstruktur (Tarife, Zuschläge, Sendungsmix, Servicelevel) zu zerlegen. Keine Kadenz zwischen Früh- und Spätindikatoren. Reagiert auf Budget-Anfragen, antizipiert nicht. | Klare Supply-Chain-Methode: Zerlegung der Frachtkostenquote in mindestens 4 Kategorien (Tarife, Zuschläge, Sendungsmix, Servicelevel), monatliche Steuerung pro Lane oder pro Carrier, jährliche Vergleichswerte. Identifiziert die 2-3 wichtigsten Hebel pro Jahr und liefert sie. Frachtkostenquote seit mindestens 2 Jahren stabil oder leicht sinkend, OTIF stabil oder steigend. | Supply-Chain-Referenz im Unternehmen: fähig, einen Spediteur-Tender von Ende zu Ende kaufmännisch zu führen (Lastenheft, RfI bis RfQ, Verhandlung, Migration), eine S&OP-Roadmap zu bauen und eine Frachtkostenquoten-Senkung von 0,5-1,2 Punkten über 18 Monate zu liefern, ohne den Servicelevel zu schwächen. Antizipiert Vertragsausläufe 6-9 Monate vorher und vermeidet Verlängerungs-Aufschläge. |
| Operative Exzellenz und KPI-Steuerung | Steuert das Lager auf Bauchgefühl; KPIs sind entweder nicht definiert oder existieren nur im Monatsreporting an die Geschäftsleitung. Reagiert auf Eskalationen, statt sie zu antizipieren. Keine klare Methode für OTIF-Einbrüche oder Bestandsabweichungen. | Klare KPI-Kadenz: tägliche Operations-Stand-ups mit OTIF und offenen Eskalationen, wöchentliches Lager- und Carrier-Review, monatliches Reporting an die Geschäftsleitung. OTIF stabil bei mehr als 92 Prozent, Bestandsgenauigkeit bei mehr als 97 Prozent. Strukturiertes Eskalations-Schema für jeden KPI-Einbruch. | Operative Referenz im Unternehmen: fähig, eine OTIF-Steigerung von 87 auf 95 Prozent in 6-9 Monaten zu liefern, ohne den Bestand zu erhöhen. Implementiert Root-Cause-Analysen Sendung für Sendung, leitet daraus systemische Verbesserungen ab und schließt den Loop mit Vertrieb und Kundenservice. Lager-Produktivität pro Stunde steigt jährlich messbar. |
| Spediteur- und Dienstleister-Management | Akzeptiert die Spediteur-Bedingungen, wie sie kommen. Vertragsverlängerungen ohne Tender, einzelne Carrier-Beziehungen ohne formales Lastenheft, keine Kennzahlen zu Carrier-Leistung. Eskalation erst, wenn der Schaden eingetreten ist. | Strukturiertes Carrier-Portfolio: 3-5 Hauptpartner mit klaren Lanes, jährliches Review, dokumentiertes Lastenheft und Tender-Verfahren bei Renewal. Carrier-Performance-Reporting (OTIF, Reklamationen, Frachtkostenquote) monatlich. Eskalation bei Mängeln auf operativer Ebene erfolgreich. | Carrier-Referenz im Unternehmen: fähig, einen Tender über 5+ Carrier von Ende zu Ende zu führen, eine Carrier-Migration auf 4000+ Sendungen pro Monat ohne Disruption zu liefern, einen Backup-Carrier-Pool für Krisen aufzubauen. Hält langfristige Beziehungen zu Account-Managern und nutzt sie für schnelle Eskalation, bevor formale Wege nötig werden. |
| Team- und Change-Steuerung | Führt durch Anweisung; Schicht- und KPI-Themen werden ohne Vorbereitung der Teamleitungen und ohne Mitbestimmung des Betriebsrats kommuniziert. Fluktuation in Lager und Versand erhöht. Change-Projekte scheitern an der Operativen, nicht am Konzept. | Klare Führungs-Kadenz: wöchentliche 1:1 mit den Teamleitungen, monatliche Vollversammlung, dokumentierte Schicht- und KPI-Vereinbarungen mit Betriebsrat-Mitbestimmung nach BetrVG. Change-Projekte mit Pilot- und Roll-out-Phase, klare Champions im Team. Fluktuation in Lager und Versand auf Branchen-Niveau. | Führungs-Referenz im Unternehmen: fähig, ein 80-150-köpfiges Logistik-Team durch eine WMS- oder Standort-Erweiterung zu führen, ohne dass die Operative zusammenbricht. Entwickelt 1-2 Teamleitungen pro Jahr in die Nachfolge. Mitarbeiter-NPS in Lager und Versand auf hohem Niveau bei gleichzeitig steigender Produktivität. |
| WMS- und Supply-Chain-Software-Affinität | Verwaltet die Logistik in Excel oder einer veralteten Anbieter-Software ohne Auswertung. WMS und TMS werden als IT-Themen gesehen, nicht als Steuerungs-Hebel. Keine Vorstellung der DSGVO- und Mitbestimmungs-Implikationen bei Leistungs-Tracking. | Beherrscht ein zeitgemäßes WMS (SAP EWM, viadat, PSI Logistics, proLogistik oder vergleichbar) operativ. Versteht den Use-Case von TMS (Frachtkostenkontrolle, Sendungsverfolgung, Carrier-Mix-Steuerung) und kann einen Business Case rechnen. Berücksichtigt DSGVO und Betriebsrat bei WMS- und TMS-Rollouts. | Tool-Referenz im Unternehmen: fähig, eine WMS- oder TMS-Migration von Ende zu Ende zu führen, einen S&OP-Prozess mit Tool-Unterstützung zu liefern, das System mit ERP (SAP, Microsoft Dynamics), Carrier-Portalen und Finance zu integrieren. Nutzt die Daten für Steuerung, nicht nur für Reporting. |
30/60/90-Tage-Plan
Bis Tag 30
- Vollständiges Audit des Logistik-Standorts: Kartografie der Sendungsstruktur (Carrier, Lanes, Servicelevel, Saisonalität), Lieferanten-Inventar (Spediteure, WMS-Anbieter, Verpackung, Zoll, Versicherung) und Compliance-Status (Gefahrgut nach GGVSEB, GüKG, Lieferkettengesetz LkSG, Zollbescheide, Arbeitsschutz im Lager)
- Dokumentierte 1:1 mit Geschäftsleitung, Vertriebs- und Einkaufs-Leitung, Finance, Betriebsrat und den Teamleitungen in Lager, Versand und Wareneingang zur Identifikation der Schmerzpunkte und gespürten Prioritäten
- Identifikation der 2-3 Quick Wins, die in den nächsten 60 Tagen geliefert werden können (zum Beispiel ein sichtbarer Carrier-Reklamationsfall klären, eine OTIF-Lücke auf einer Lane stabilisieren, eine ausstehende Inventur durchführen)
- Erste KPI-Aufnahme (Frachtkostenquote, OTIF, Bestandsgenauigkeit, Lager-Produktivität, Reklamationsquote) und 3 Hypothesen strukturierender Prioritäten für die nächsten 12 Monate an die Geschäftsleitung
Bis Tag 60
- Operative Steuerungs-Kadenz aufgesetzt: tägliches Operations-Stand-up mit OTIF und Eskalationen, wöchentliches Carrier- und Lager-Review, monatliches Reporting an die Geschäftsleitung mit den 5-7 Kern-KPIs
- Erstes Tender- oder Verhandlungs-Ergebnis geliefert (Carrier auf eine Lane, Verpackungs-Vertrag, WMS-Wartungs-Vertrag, Versicherungs-Prämie) mit messbarer Kostenwirkung
- Compliance-Lücken nach LkSG, GGVSEB und Arbeitsschutz im Lager identifiziert und auf eine Roadmap mit Verantwortlichen und Fristen gebracht; sofortige Maßnahmen bei Haftungs-Themen umgesetzt
- Strukturierender 12-Monats-Plan mit der Geschäftsleitung validiert auf die 2-3 zu tragenden Tiefenprojekte (Spediteur-Tender, OTIF-Programm, WMS-Rollout, S&OP-Aufbau oder Standort-Erweiterung)
Bis Tag 90
- Stabile und seit 6-8 Wochen gehaltene operative Kadenz (kein Compliance-Thema rutscht durch, KPI-Indikatoren aktuell, Vertragsausläufe der nächsten 12 Monate kartiert)
- Erstes strukturiertes Quartalsreporting an die Geschäftsleitung zur Logistik: Frachtkostenquote, OTIF, Bestandsgenauigkeit, Reklamationen, Compliance-Status, laufende Projekte, eventuelle Alerts
- Erstes strukturierendes Projekt in Ausführung mit klaren Meilensteinen und mit der Geschäftsleitung geteilten Erfolgsindikatoren (Spediteur-Tender, OTIF-Programm, WMS-Rollout oder S&OP-Aufbau)
- Formaler Bilanztermin mit Geschäftsleitung: identifizierte Entwicklungsachsen für die nächsten 90 Tage, eventuelle Lieferanten- und Carrier-Anpassungen, Personal-Verstärkung bei wachsendem Volumen oder zusätzlichem Standort