Content Manager:in
Strukturierte Interviewfragen für Content Manager:in — mit dem Signal, auf das eine starke Antwort jeweils hinweist.
VerhaltensbezogenRedaktionelles Urteilsvermögen und Lernfähigkeit Beschreiben Sie den letzten wichtigen Content, an dem Sie gearbeitet haben und der seine Ziele (Traffic, Leads oder Engagement) nicht erreicht hat. Was ist passiert, und was haben Sie danach geändert?
Worauf eine starke Antwort hinweistFähigkeit zur Ursachendiagnose (falsches Keyword-Targeting, kein Buyer-Intent, unzureichende Distribution, falsches Format) statt externer Schuldzuweisung. Kandidat:innen, die keinen gescheiterten Content benennen können, haben selten eigenständig gesteuert. Bonus: die:der Kandidat:in nennt eine Methodenänderung, die diesen Content überlebt hat (strengerer Brief, Validierung der Keyword-Hypothese vor Produktion, schriftlicher Distributionsplan vor Veröffentlichung).
VerhaltensbezogenRedaktionelles Urteilsvermögen und Lernfähigkeit Erzählen Sie mir von einem Content, bei dem Sie mit einer:m Fach-Expert:in (Vertrieb, Produkt, Geschäftsführung) zu Angle oder Ton uneinig waren. Wie haben Sie entschieden?
Worauf eine starke Antwort hinweistHaltung als Editor:in, die:der eine These verteidigt, gestützt auf die Kenntnis der Zielleser:innen, statt zurückzufallen auf das, was der Vertrieb gerade will. Fähigkeit, eine dokumentierte redaktionelle Abwägung (Audience, Intent, Conversion-Hypothese) gegenüber einer internen Forderung zu vertreten. Wer beschreibt, alle Rückmeldungen akzeptiert zu haben, zeigt eine Schwäche in der Auftragsklärung, die generischen Content unter dem Gewicht der Meinungen produziert.
VerhaltensbezogenDistribution und Partnerschaft Beschreiben Sie das letzte Mal, als Sie mit dem Vertriebs- oder Customer-Success-Team ein Signal aus dem Kundenkontakt in veröffentlichten Content verwandelt haben (Case Study, FAQ, Artikel zur Einwandbehandlung). Was ist passiert?
Worauf eine starke Antwort hinweistPartnerschaftliche Haltung gegenüber den nachgelagerten Teams statt Verteidigung eines isolierten Redaktionskalenders. Fähigkeit, ein Vertriebs-Signal (wiederkehrender Einwand, Kundenfrage, verlorener Deal) in messbar veröffentlichten Content zu übersetzen. Wer kein Beispiel nennen kann, zeigt eine:n vom Business abgekoppelte:n Content Manager:in, die:der Autoritäts-Content produziert, aber keinen, der Deals schließt.
SituativRedaktionsstrategie und Auftragsklärung Sie übernehmen einen Content-Manager-Posten in einem B2B-SaaS-KMU mit 30 Mitarbeitenden. Die Geschäftsführung will in 90 Tagen mehr Content veröffentlichen, um mehr Leads zu generieren. Was tun Sie in den nächsten 2 Wochen?
Worauf eine starke Antwort hinweistAudit vor Aktion: Verständnis des existierenden Traffics (welche Keywords ranken, welcher Intent, welche Conversion-Rate pro Artikel), der Vertriebspipeline (woher kommen die aktuellen Deals, welche Fragen wiederholen sich) und des ICP. Umformulierung der Forderung in geteilte Metriken (nicht „mehr Content“, sondern X Artikel auf Y Keywords mit Buyer-Intent, die Z MQL pro Monat bringen sollen). Kandidat:innen, die direkt zu „Ich veröffentliche 2 Artikel pro Woche“ springen, zeigen einen Volumen-Bias ohne Intent-Diagnose.
SituativPriorisierung und realistische Produktion Die:der Marketing Manager:in bittet Sie, in 60 Tagen 3 Lead Magnets ohne Freelance-Budget zu produzieren. Sie schätzen, die Qualität alleine nicht halten zu können. Wie reagieren Sie?
Worauf eine starke Antwort hinweistFähigkeit, den Arbeitsschritt umzuformulieren: entweder bleiben die 3 Lead Magnets und der Zeitraum verlängert sich, oder es wird auf 1 Säulen-Lead-Magnet reduziert, der wirklich durchgearbeitet wird, oder ein kleines Freelance-Budget muss gefunden werden. Bonus: die:der Kandidat:in schlägt 1 Säulen-Lead-Magnet vor, der eine Conversion-Hypothese validiert oder widerlegt, statt 3 mittelmäßiger Stücke zu produzieren, die nicht konvertieren. Wer 3 Lead Magnets ohne Rückfrage zusagt, läuft in einen geplatzten Liefertermin oder ins Burnout.
SituativOperative SEO-Kompetenz Sie stellen fest, dass ein vor 12 Monaten veröffentlichter Artikel 60 % des Blog-Traffics generiert. Er beginnt, Positionen bei Google zu verlieren. Was tun Sie in den nächsten 30 Tagen?
Worauf eine starke Antwort hinweistStrukturierter Plan: (1) Audit des aktuellen Artikels (Intent noch relevant, Daten-Aktualität, Wettbewerber, die seitdem veröffentlicht haben), (2) Major-Update des Artikels (neue Quellen, Beispiele aus 2026, gestärkte Informations-Hierarchie), (3) Stärkung der internen Verlinkung auf diesen Artikel, (4) wöchentliches Positions-Tracking in den folgenden 4 bis 8 Wochen. Wer einfach einen neuen Artikel zum gleichen Thema veröffentlichen will, produziert SEO-Kannibalisierung; wer den Wert der Bestands-Verteidigung nicht erkennt, verschenkt den aufgebauten Traffic.
CaseOperative SEO-Kompetenz Ein B2B-SaaS-KMU, 30 Mitarbeitende, 2 Mio. € ARR, durchschnittlicher Auftragswert 8 k€ ARR. Die:der Marketing Manager:in gibt Ihnen 20 k€ Content-Budget pro Jahr (Freelancer:innen, Tools, Distribution). Wie verteilen Sie das Budget über 12 Monate?
Worauf eine starke Antwort hinweistFähigkeit, die Content-Math zu rechnen: 20 k€ erlauben typisch 24 bis 36 Freelance-Artikel (300 bis 600 € pro Stück) oder 12 bis 18 Artikel plus 2 bis 3 Säulen-Lead-Magnets plus SEO-Tool-Abo (Ahrefs oder Semrush, 100 bis 200 € pro Monat). Glaubhafte Aufteilung: 50 bis 60 % redaktionelle Produktion auf Keywords mit Buyer-Intent, 15 bis 20 % Säulen-Lead-Magnets, 10 bis 15 % Tools (SEO und Analytics), 10 bis 15 % gezielte bezahlte Distribution oder LinkedIn-Ads. Wer diese Rechnung nicht laut durchführen kann, hat in der Praxis selten ein Content-Budget gesteuert.
CaseFull-Funnel-Redaktionsdenken Sie müssen wählen zwischen (A) zwei tiefen Artikeln pro Monat auf Keywords mit hohem Intent (hoher Aufwand, Wirkung in 6 bis 12 Monaten) oder (B) vier kurzen Artikeln pro Woche zu aktuellen Themen (mittlerer Aufwand, sofortige Wirkung auf Social). Die Geschäftsführung will in 90 Tagen mehr Sichtbarkeit. Was empfehlen Sie?
Worauf eine starke Antwort hinweistErkenntnis, dass dies keine binäre Wahl ist: die:der Kandidat:in schlägt einen Split vor (etwa 70 % Tiefen-Artikel für den langfristigen SEO-Bestand, 30 % Social-Content für kurzfristige Sichtbarkeit) mit einem Kadenz-Test. Bonus: die:der Kandidat:in stellt die Grundannahme in Frage (will die Geschäftsführung Sichtbarkeit oder Leads? Diese zwei Ziele fordern nicht denselben Content). Wer alles auf Social setzt, verzichtet auf den langfristigen SEO-Traffic; wer alles auf Tiefen-Artikel setzt, hält die 90-Tage-Frist nicht.
CaseDistribution und Partnerschaft Der Vertrieb meldet Ihnen, dass die Leads aus dem Blog nicht konvertieren. Sie haben Zahlen, die zeigen, dass Traffic und Lead-Magnet-Downloads sich verdoppelt haben. Wie untersuchen Sie das, und was präsentieren Sie der:dem Marketing Manager:in?
Worauf eine starke Antwort hinweistUntersuchungsplan: (1) Audit der Keywords, die den Traffic treiben (Buyer-Intent oder reiner Recherche-Intent?), (2) qualitatives Audit einer Stichprobe nicht konvertierter Leads (Unternehmenssegmente, Funktion, Kontext), (3) gemeinsame Metriken einführen (MQL-zu-SQL-Rate pro Content-Quelle, durchschnittlicher Auftragswert pro Content-Kanal). Präsentation: Volumen vs. Qualität, testbare Hypothesen, 60-Tage-Plan zur redaktionellen Neuausrichtung. Wer ausschließlich das Traffic-Volumen verteidigt, zeigt fehlende Partnerschaft mit dem Vertrieb.
FachlichOperative SEO-Kompetenz Beschreiben Sie Ihre Methode zur Keyword-Recherche und zum Aufsetzen Ihrer SEO-Briefs. Welche Tools, welche Analysetiefe, wie entscheiden Sie, dass ein Keyword die Mühe wert ist?
Worauf eine starke Antwort hinweistStrukturierte Methode: initiale Recherche (Ahrefs, Semrush oder vergleichbar), Lektüre der Top-10-SERP zum Verständnis des realen Intents (informational, navigational, transactional), Bewertung von Volumen vs. Schwierigkeit, Conversion-Hypothese (ist die:der Lesende auf diesem Keyword in einer Kauflogik?). Bonus: die:der Kandidat:in erwähnt das Lesen der People Also Ask, das Beobachten von Länge und Struktur der Top-3, das Prüfen der Aktualität bestehender Inhalte. Wer nur über Volumen ohne Intent-Lektüre spricht, produziert Artikel, die ranken, aber nicht konvertieren.
FachlichProduktion und Steuerung von Freelancer:innen Sie sollen ein Team von 3 Freelancer:innen steuern (1 generalistische:r Redakteur:in, 1 technische:r SEO-Expert:in, 1 Redakteur:in für Case Studies) mit einem Budget von 15 k€ über 6 Monate. Wie organisieren Sie sich?
Worauf eine starke Antwort hinweistSystemische Methode: Quartals-Redaktionsplan mit den 3 Freelancer:innen geteilt, detaillierte Briefs pro Content (Template, Tonalität, Struktur, Ziel-Keywords, Conversion-Hypothesen), internes Review durch Fach-Expert:innen (Vertrieb, Produkt, Gründer:in), gehaltene Publikations-Kadenz (mindestens 1 Artikel pro Woche), monatliche Performance-Verfolgung zur Anpassung des Freelance-Mix. Wer „Ich schreibe alles selbst“ sagt, hält die Kadenz nicht; wer 100 % auslagert ohne Brief, produziert generischen Content.
FachlichOperative SEO-Kompetenz Welche Kennzahlen schauen Sie täglich, wöchentlich, monatlich an, um Ihre Arbeit als Content Manager:in zu steuern? Warum diese Kadenz?
Worauf eine starke Antwort hinweistGesunde Kadenz: organischer Traffic pro Artikel täglich (Warnsignal bei Abfall), Positionen der Ziel-Keywords wöchentlich, MQL und SQL aus dem Content monatlich. Unterscheidung zwischen Frühindikatoren (Positionen, Impressionen) und Spätindikatoren (MQL, MQL-zu-SQL-Rate, beeinflusste Deals). Kandidat:innen, die 30 Kennzahlen aufzählen oder nur den globalen Traffic beobachten, verfehlen die operative Steuerungsebene. Bonus: erwähnt ein mit der:dem Marketing Manager:in und dem Vertrieb geteiltes Dashboard.
WerteRedaktionelle Haltung und Marktbeobachtung Was ist Ihre Lesart des Content-Manager-Berufs im Jahr 2026? Was hat sich aus Ihrer Sicht in den letzten 3 Jahren am stärksten verändert?
Worauf eine starke Antwort hinweistAnerkennung struktureller Veränderungen: LLM-Einfluss auf Content-Produktion (menschliche redaktionelle Qualität gewinnt an Wert gegenüber KI-Volumen), Sättigung von Top-Funnel-Content (jedes B2B-KMU hat seinen Blog), Rückkehr zu Autoritäts-Content (E-E-A-T, verifizierbare Expertise, Signale echter Erfahrung), Aufstieg originaler Formate (Podcasts, Videos, eigene Daten). Kandidat:innen, die noch von klassischem SEO ohne Nuance sprechen, zeigen eine veraltete Sicht auf den Beruf. Bonus: die:der Kandidat:in nennt eine konkrete Praxisänderung, die sie:er eingeführt hat (etwa Stopp generischer Artikel, Fokus auf 2 bis 3 Säulen pro Quartal).
WerteRedaktionelle Haltung und Marktbeobachtung Beschreiben Sie die:den Content Manager:in oder Editor:in, von dem oder der Sie in Ihrer Karriere am meisten gelernt haben. Was machte ihre:seine Qualität aus, und was war an der Zusammenarbeit schwieriger?
Worauf eine starke Antwort hinweistReflexive Reife im redaktionellen Beruf. Die Fähigkeit, sowohl eine Stärke als auch eine Schwäche zu nennen, zeigt jemanden, die:der eigene Muster beobachten kann. Wer das eigene Vorbild nur loben oder nur kritisieren kann, ist selten selbst ein:e gute:r Content Manager:in. Bonus: die:der Kandidat:in nennt eine konkrete Gewohnheit, die sie:er bewusst kopiert oder verworfen hat (etwa eine wöchentliche Redaktionssitzung, das systematische Schreiben eines Briefs vor jeder Redaktion).
WerteCoachability und Zusammenarbeit Wie nehmen Sie schwieriges Feedback aus dem Vertrieb oder dem Produkt auf, das eine Schwäche im von Ihnen produzierten Content aufzeigt (zum Beispiel „Deine Artikel helfen uns im Kundentermin nicht“)?
Worauf eine starke Antwort hinweistLernhaltung: die:der Kandidat:in beschreibt, das Feedback integriert (nicht nur gehört) und die Praxis verändert zu haben. Bonus: hat das Gelernte mit dem Rest des Teams geteilt oder einen neuen Prozess dokumentiert (etwa systematisches Interview mit dem Vertrieb vor jedem neuen Content-Säulen-Stück). Wer beschreibt, die eigene redaktionelle Logik erklärt zu haben statt die Beobachtung anzunehmen, zeigt eine Coachability-Schwäche, die in einem KMU zum Problem wird, wo die:der Content Manager:in oft alleine in der Funktion arbeitet.
Evaluations-Playbook
Die Rolle der:des Content Manager:in zeigt sich über fünf Evaluations-Stufen. Die Schreibaufgabe (Stufe 4) ist zentral: ohne sie lässt sich kaum unterscheiden, wer eine redaktionelle Strategie wirklich steuern kann von Profilen, die nur Agentur-Briefs abarbeiten.
Stufe 1: CV- und Portfolio-Lektüre
Suchen Sie nach: konsistenter Verweildauer (mindestens 18 Monate auf vorherigen Content-Positionen), öffentliches Portfolio (Blog, namentlich gezeichnete Artikel, herunterladbare Lead Magnets), Unternehmensgröße der Vorpositionen (idealerweise KMU mit 10 bis 200 Mitarbeitenden, nicht ausschließlich Konzerne oder Agenturen). Negativ: 100 % Agentur ohne aktuelle In-house-Erfahrung (die Produktion unter Agentur-Brief unterscheidet sich stark von redaktioneller Strategie in Autonomie). Lesen Sie 2 bis 3 namentlich gezeichnete Artikel der:des Kandidat:in vor dem Interview: die redaktionelle Grundqualität ist das beste verfügbare Signal vor dem Call.
Stufe 2: Phone Screen (30 Min.)
Nur drei Fragen: (1) Beschreiben Sie den Redaktionsplan, den Sie aktuell steuern, und seine Verankerung im Business, (2) Auf welchen Content haben Sie den messbar größten Einfluss gehabt? Geben Sie eine Zahl mit Kontext (Traffic, Leads, SEO-Position), (3) Warum suchen Sie jetzt einen Wechsel? (klare Erzählung vs. unfokussiert). Ergebnis: Go / No-Go in 5 Min. Debrief, nicht mehr.
Stufe 3: Strukturiertes Interview (90 Min.)
Folgen Sie den 15 Fragen unten, abwechselnd behavioral, situational, case, technical und values. Bitten Sie die:den Kandidat:in bei der Case-Frage (redaktionelle Priorisierung unter Budgetdruck) laut durchzurechnen. Mindestens zwei Interviewer:innen (idealerweise Marketing Manager:in plus eine Person aus Vertrieb oder Produkt), unabhängiges Scoring vor dem Debrief.
Stufe 4: Redaktionelle Schreibaufgabe (2 Std.)
Redaktioneller Quartals-Brief auf einem gegebenen Ziel-Keyword plus Ausarbeitung eines Artikel-Angles (300 bis 400 Wörter) zu diesem Keyword. Die:der Kandidat:in sendet vorab 3 Klärungsfragen (zeigt, was priorisiert wird und wie streng die SEO-Disziplin ist), präsentiert dann Brief und Angle in 30 Min. mit 30 Min. Q&A. Diese Stufe wiegt stark in der finalen Entscheidung. Kandidat:innen, die einen hübschen Text ohne Buyer-Intent-Hypothese und ohne klare Informations-Hierarchie liefern, scheiden hier aus.
Stufe 5: Referenzen (strukturierte Überprüfung)
Rufen Sie zwei Referenzen an: eine:n ehemalige:n Vorgesetzte:n (idealerweise Marketing Manager:in oder Geschäftsführung, die die:den Kandidat:in eigenständig hat steuern sehen) und eine:n ehemalige:n Peer aus SEO, Vertrieb oder Produkt. Stellen Sie beiden dieselben 4 Fragen: Worin ist sie:er am stärksten? Wen würden Sie als ergänzende Person einstellen? Würden Sie sie:ihn morgen wieder einstellen, warum oder warum nicht? Ein konkretes Beispiel für Content, der über das Marketing hinaus im Unternehmen aufgegriffen oder verteidigt wurde? Die 4. Frage zeigt, ob die:der Kandidat:in nützlichen Content für Vertrieb oder Produkt produziert, nicht nur Content, der dem Marketing gefällt.
Woran Sie eine hervorragende Besetzung erkennen
| Kompetenz | Unter Anforderung | Auf Niveau | Über Anforderung |
|---|---|---|---|
| Redaktionsstrategie und Auftragsklärung | Springt direkt in die Produktion ohne Audit von Traffic, ICP oder Vertriebspipeline. Akzeptiert die Anforderungen der Geschäftsführung, ohne sie in redaktionelle Hypothesen umzuformulieren. Kein strukturierter Quartals-Redaktionsplan, Content erscheint stoßweise. | Kann eine vage Anforderung („mehr Content“) in einen Redaktionsplan umformulieren, der auf 3 bis 5 Keywords mit hohem Buyer-Intent verankert ist. Unterscheidet Top-, Mid- und Bottom-Funnel-Content. Hält einen Quartals-Redaktionsplan, der mit Marketing und Vertrieb geteilt wird. | Rahmt die Redaktionsstrategie vor der Produktion: dokumentierte Conversion-Hypothesen pro Säule, verifizierter Buyer-Intent auf jedem Ziel-Keyword, explizit benannte Abhängigkeiten zu Vertrieb und Produkt. Kann eine unbequeme redaktionelle Abwägung vor der Geschäftsführung vertreten (etwa „Dieses Thema rankt nicht und konvertiert nicht, wir machen es nicht“). |
| Operative SEO-Kompetenz | Denkt in isolierten Keyword-Volumina ohne Buyer-Intent-Prüfung. Kann ein SERP nicht lesen, unterscheidet nicht zwischen informationalem und transaktionalem Intent. Kein regelmäßiger Einsatz von Ahrefs, Semrush oder vergleichbar. | Operative Beherrschung der Standard-SEO-Tools (Ahrefs, Semrush, Google Search Console). Kann einen vollständigen SEO-Brief schreiben (Ziel-Keyword, Intent, Struktur, Länge, interne Verlinkung). Prüft den Intent durch Lektüre der Top-10-SERP, bevor ein Thema validiert wird. | Steuert das SEO als System: regelmäßiges Audit von Inhalten mit Positions-Verlust, Verteidigungsplan für bestehende Positionen, proaktive Identifikation neuer Keywords mit hohem Intent. Kann einer:m Nicht-Expert:in mit bezifferten Kriterien erklären, warum ein Keyword die Mühe wert ist (Volumen, Schwierigkeit, Intent, erwartete Conversion-Rate). |
| Redaktionelles Urteilsvermögen und Lernfähigkeit | Produziert generischen Content, der von jedem beliebigen B2B-KMU stammen könnte. Kein redaktioneller Standpunkt, keine Ideen-Hierarchie im Artikel. Akzeptiert alle Rückmeldungen, ohne eine Abwägung zu vertreten. | Hält einen kohärenten redaktionellen Standpunkt, verankert in der ICP-Kenntnis. Unterscheidet Rückmeldungen, die einen Content verbessern, von solchen, die ihn verwässern. Kann einen Brief schreiben, der eine:n Freelancer:in zu einem Text führt, der nicht von einem anderen Unternehmen hätte produziert werden können. | Steuert die Markenstimme wie ein:e Editor:in: dokumentierter Style Guide, ein auf diese Stimme gebriefter Freelancer-Pool, Lektorate, die die redaktionelle Identität stärken statt verwässern. Kann 1 bis 2 Säulen-Content-Stücke pro Quartal identifizieren, die die Position des Unternehmens auf einem Thema dauerhaft definieren. |
| Distribution und Partnerschaft | Veröffentlicht den Content und geht zum nächsten über. Kein schriftlicher Distributionsplan vor Veröffentlichung. Beschreibt Vertrieb oder Produkt als Gegenspieler oder als „nicht mein Aufgabenbereich“. | Schriftlicher Distributionsplan für jede Säule (LinkedIn, Newsletter, Vertriebsteam mit Argumenten ausgestattet, Partnerschaften). Regelmäßige Kadenz mit dem Vertrieb, um Rückmeldungen aus dem Vertriebsalltag in Content zu übersetzen. Kann qualitatives Feedback zur Nützlichkeit eines Artikels annehmen und integrieren. | Etabliert eine Content-Distribution-Business-Schleife: jede Content-Säule hat eine explizite Conversion-Hypothese, einen Multi-Kanal-Distributionsplan und ein 90-Tage-Vertriebsfeedback. Kann ein schwaches redaktionelles Signal („Dieser Content hilft im Kundentermin nie“) melden, bevor der Vertrieb es sagt. |
| Produktion und Steuerung von Freelancer:innen | Lagert alles ohne strukturierten Brief aus oder schreibt alles solo. Kein qualifizierter Freelancer-Pool. Briefs sind vage oder fehlen; das Lektorat beschränkt sich auf Rechtschreib-Korrektur. | Arbeitet mit 2 bis 3 qualifizierten Freelancer:innen auf detaillierten Briefs (Template, Tonalität, Struktur, Beispiele, Keywords). Hält eine regelmäßige Publikations-Kadenz. Lektorat, das die Ideen-Hierarchie stärkt, nicht nur die Grammatik. | Steuert die Produktion wie ein:e Chefredakteur:in: Pool spezialisierter Freelancer:innen pro Thema, internes Review durch Fach-Expert:innen, Performance-Tracking pro Freelancer:in, schnelles Doppeln auf Formate, die funktionieren. Kann einen Style Guide und einen Produktionsprozess aufbauen, den die nächste Person übernehmen kann. |
| Redaktionelle Haltung und Coachability | Generischer Diskurs über Content („Ich glaube an redaktionelle Qualität“). Wenige konkrete Beispiele, wenig Reflexion über eigene Muster. Defensive Haltung gegenüber Vertriebs- oder Produkt-Feedback. | Referenziert frühere Editor:innen mit identifizierten Stärken und Schwächen. Aktuelle Sicht auf den Beruf (LLM-Einfluss, Rückkehr zur Autorität, originale Formate). Nimmt Feedback an, ohne sich zu verschließen. | Explizit coachbare Haltung: kann eigene blinde Flecken benennen, sucht strukturiertes Feedback. Reife Lesart der Berufsentwicklung, die sich in Praktiken niederschlägt (kontinuierliche Marktbeobachtung, regelmäßige Format-Tests, dokumentierter Erfahrungsaustausch mit anderen Content Manager:innen). |
30/60/90-Tage-Plan
Bis Tag 30
- Vollständiges Audit des Bestehenden: organischer Traffic pro Artikel, rankende Keywords, Performance pro Säule, heruntergeladene Lead Magnets, Conversion-Rate pro Content-Quelle
- 1:1 mit jeder:m Schlüssel-Stakeholder:in (Marketing Manager:in, Vertriebsleitung, Gründer:in, Customer Success), um Erwartungen zu klären und Rückmeldungen aus dem Tagesgeschäft zu identifizieren, die in Content zu übersetzen sind
- Identifizierung von 2 bis 3 Quick Wins, die in 30 Tagen aktivierbar sind (Aktualisierung eines Artikels mit Positions-Verlust, Optimierung einer Produktseite, Neu-Promotion eines performanten Lead Magnets)
- Kartierung des ICP und der Buyer-Intents: Prioritäts-Segmente, wiederkehrende Fragen in Kundenterminen, vom Vertrieb behandelte Einwände
Bis Tag 60
- Quartals-Redaktionsplan verfasst: 3 bis 5 Säulen auf Keywords mit hohem Buyer-Intent verankert, explizite Conversion-Hypothesen, Abhängigkeiten zu Vertrieb und Produkt
- Pool von 2 bis 3 qualifizierten Freelancer:innen identifiziert und auf die Markenstimme gebrieft; geteiltes Brief-Template
- Erste Publikations-Kadenz gehalten (1 bis 2 Artikel pro Woche mit strukturiertem Brief und internem Review)
- Geteiltes Dashboard installiert: organischer Traffic pro Säule, Positionen der Ziel-Keywords, MQL aus dem Content, geteilt mit der:dem Marketing Manager:in und dem Vertrieb
Bis Tag 90
- Formelles Review mit der:dem Marketing Manager:in zu Quick Wins, Publikations-Kadenz und Pipeline-Impact des Contents
- Redaktionsplan für das nächste Quartal verfasst: bezifferte Ziele (zu erobernde Positionen, zu generierende MQL), Freelance-Budget pro Säule, zu testende Formate
- Stabile Produktions-Kadenz (2 bis 4 veröffentlichte Inhalte pro Woche mit Brief, Lektorat und Distributionsplan)
- Erste Indikatoren für die Verbesserung des SEO-Bestands (gewonnene Positionen auf 5 bis 10 Ziel-Keywords) oder der Lead-Qualität aus dem Content (MQL-zu-SQL-Rate steigt)