Was eine Stellenanzeige im Unterschied zu anderen Recruiting-Dokumenten genau ist, erklärt der Glossareintrag Stellenanzeige. Hier geht es um etwas Konkreteres: die Struktur, die Bewerbungen bringt, und die rechtlichen Punkte, an denen Anzeigen regelmäßig scheitern.

Warum die meisten Stellenanzeigen leer laufen

Stellenanzeigen aus KMU haben oft zwei Probleme gleichzeitig. Sie sind zu generisch, um die richtige Person zum Klicken zu bringen, und sie übersehen Formulierungen, die rechtlich angreifbar sind. Beides hängt vom Aufbau der Anzeige ab, nicht von der Kreativität des Textes.

Das rechtliche Problem beginnt meist beim Jobtitel. Ein Arbeitsplatz darf nicht unter Verstoß gegen das Benachteiligungsverbot aus § 7 Absatz 1 AGG ausgeschrieben werden (§ 11 AGG). Dieses Verbot deckt laut § 1 AGG die Benachteiligung wegen Rasse oder ethnischer Herkunft, Geschlecht, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter sowie sexueller Identität ab. Eine Anzeige, die ausschließlich eine männliche oder weibliche Person anspricht, verstößt dagegen. Ob das beabsichtigt war, spielt keine Rolle.

Der Aufbau, der funktioniert

Eine Stellenanzeige, die Bewerbungen bringt, folgt sechs Teilen in dieser Reihenfolge.

1. Jobtitel mit (m/w/d)

Seit der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 10. Oktober 2017 (1 BvR 2019/16) muss das Personenstandsrecht neben “weiblich” und “männlich” einen dritten positiven Geschlechtseintrag zulassen. In der Praxis kennzeichnen deutsche Arbeitgeber seitdem offene Stellen mit dem Zusatz (m/w/d), um niemanden von vornherein auszuschließen. Die Richtlinie (EU) 2023/970 verlangt in Artikel 5 Absatz 3 inzwischen ausdrücklich, dass Stellenausschreibungen und Berufsbezeichnungen geschlechtsneutral sind.

2. Unternehmen und Team in zwei Sätzen

Was macht das Team tatsächlich, nicht das Leitbild der Firma. Für wen, in welcher Stadt, in welcher Größenordnung. Bewerber:innen sollen nach zwei Sätzen wissen, in welchem Umfeld sie arbeiten würden.

3. Aufgaben in Verben

“Ergebnisse vorantreiben” bedeutet nichts. Schreiben Sie, was die Person tatsächlich tut: eine Kampagne aufsetzen, Reklamationen bearbeiten, eine Schicht leiten. Konkrete Verben lassen sich auch in einer Interview-Scorecard wiederverwenden.

4. Anforderungen: nur K.-o.-Kriterien

Trennen Sie, was wirklich ausschließt, von dem, was nur angenehm wäre. Für die meisten KMU-Rollen bleiben zwei oder drei echte K.-o.-Kriterien übrig. Der Rest gehört unter “von Vorteil”, nicht in dieselbe Liste.

5. Gehalt und Benefits

Stellenbewerber haben nach Artikel 5 Absatz 1 der Richtlinie (EU) 2023/970 das Recht, vom künftigen Arbeitgeber das auf objektiven, geschlechtsneutralen Kriterien beruhende Einstiegsentgelt oder dessen Spanne zu erfahren, etwa aus der veröffentlichten Stellenausschreibung. Nach der bisherigen Gehaltsentwicklung dürfen Arbeitgeber laut Artikel 5 Absatz 2 nicht fragen. Die Mitgliedstaaten mussten die Richtlinie bis zum 7. Juni 2026 in nationales Recht umsetzen (Artikel 34). Eine vom zuständigen Bundesministerium berufene Expertenkommission legte dazu im November 2025 Vorschläge für eine bürokratiearme Umsetzung vor; ein deutsches Gesetz stand zum Ablauf der Frist laut der Kanzlei Rödl & Partner weiterhin aus. Nennen Sie trotzdem eine echte Spanne. Sie beschleunigt Bewerbungen schon heute, unabhängig vom Stand der Umsetzung.

6. Bewerbungsprozess

Drei Zeilen reichen: wie beworben wird, wie viele Schritte der Prozess hat, wann die Person etwas von Ihnen hört. Bewerber:innen, die den Ablauf kennen, brechen seltener mittendrin ab.

Die Vorlage zum Kopieren

Kopieren Sie die Struktur unten und füllen Sie die Platzhalter in eckigen Klammern aus. Sie passt auf jede Rolle. Für eine Vorlage mit Tariflohn-Angaben, Interviewfragen und 30/60/90-Plan zu einer bestimmten Rolle eignet sich einer der Stellenbeschreibungen-Guides besser, etwa für Elektriker:in oder Office Manager:in; die vollständige Übersicht steht unter Stellenbeschreibungen.

[Jobtitel] (m/w/d)

Über uns: [Ein bis zwei Sätze: Was das Unternehmen macht, für wen, in welcher Stadt.]

Ihre Aufgabe: [Ein Satz: das Ergebnis, an dem die Rolle gemessen wird.]

Das erwartet Sie:

  • [Konkrete Aufgabe]
  • [Konkrete Aufgabe]
  • [Konkrete Aufgabe]

Das bringen Sie mit:

  • [K.-o.-Kriterium]
  • [K.-o.-Kriterium]

Gehalt und Benefits: [Spanne in €, z. B. 48.000–58.000 €, je nach Erfahrung] sowie [ein bis zwei konkrete Benefits].

So bewerben Sie sich: [Formular, E-Mail-Adresse oder Link]. Rückmeldung innerhalb von [Anzahl] Werktagen.

Wenn Sie den ersten Entwurf lieber mit KI vorbereiten, zeigt Stellenanzeigen mit KI schreiben, welche Prompts dabei helfen und wo die Grenze liegt.

Zwei Beispiele, kommentiert

Beispiel 1: Elektriker:in (m/w/d) im Handwerksbetrieb

Elektriker:in (m/w/d)

Müller Elektrotechnik, ein Elektrohandwerksbetrieb mit zwölf Mitarbeitenden in Leipzig, sucht eine Elektrofachkraft für Industrieanlagen.

Ihre Aufgabe: Sie übernehmen die Wartung und Instandsetzung elektrischer Anlagen bei unseren Kunden vor Ort.

Gehalt: 42.000–51.000 € pro Jahr, je nach Berufserfahrung, zuzüglich Fahrzeuggestellung.

Diese Anzeige nennt den Betrieb, die Betriebsgröße und den Standort in einem Satz, benennt eine einzelne messbare Aufgabe statt einer Liste und setzt eine echte Gehaltsspanne statt “nach Vereinbarung”. Die vollständige Vorlage mit Tariflohn-Daten und Interviewfragen für diese Rolle steht im Guide zu Elektriker:in.

Beispiel 2: Office Manager:in (m/w/d) im Büro

Office Manager:in (m/w/d)

Hendricks Consulting, eine Unternehmensberatung mit 35 Mitarbeitenden in Köln, sucht eine Office Manager:in zur Steuerung des gesamten Office-Bereichs.

Das bringen Sie mit: Abgeschlossene kaufmännische Ausbildung und sicherer Umgang mit MS Office.

Gehalt: 38.000–45.000 € pro Jahr, je nach Erfahrung, plus Zuschuss zum Deutschlandticket.

Hier steht nur ein einziges K.-o.-Kriterium statt einer langen Qualifikationsliste, und der Satz zur Aufgabe nennt eine Zuständigkeit statt eines Schlagworts. Die vollständige Vorlage für diese Rolle steht im Guide zu Office Manager:in.

Die rechtlichen Pflichten auf einen Blick

  • Jobtitel und Stellenausschreibung geschlechtsneutral formulieren (§ 11 AGG in Verbindung mit § 7 Absatz 1 AGG; Artikel 5 Absatz 3 der Richtlinie (EU) 2023/970).
  • Eine geschlechtsneutrale Kennzeichnung wie (m/w/d) ergänzen, seit der BVerfG-Entscheidung vom 10. Oktober 2017 (1 BvR 2019/16) zum dritten Geschlechtseintrag.
  • Keine Anforderungen nennen, die Alter, Herkunft, Religion oder Behinderung indirekt ausschließen (§ 1 AGG).
  • Bewerbende nicht nach ihrem bisherigen Gehalt fragen (Artikel 5 Absatz 2 der Richtlinie (EU) 2023/970).
  • Einstiegsgehalt oder dessen Spanne frühzeitig mitteilen, etwa in der Anzeige oder vor dem Vorstellungsgespräch (Artikel 5 Absatz 1 der Richtlinie (EU) 2023/970); welche Vorgaben in Deutschland konkret gelten, bestimmt die nationale Umsetzung. Eine echte Spanne in der Anzeige ist schon heute ein Vorteil bei Bewerbungen.

Job Studio, der KI-Stellenanzeigen-Generator von Join, prüft einen Entwurf vor der Veröffentlichung automatisch auf genau diese Punkte und markiert unter anderem einen Jobtitel ohne (m/w/d), bevor die Anzeige online geht. Mehr dazu auf der Seite zu Job Studio.

Häufige Fragen zur Stellenanzeige

Ist (m/w/d) gesetzlich vorgeschrieben?
Keine Vorschrift verlangt wörtlich die Zeichenfolge „(m/w/d)“. Das AGG verbietet in § 11 in Verbindung mit § 7 Absatz 1, eine Stelle unter Benachteiligung wegen des Geschlechts auszuschreiben, und seit der BVerfG-Entscheidung vom 10. Oktober 2017 (1 BvR 2019/16) muss auch ein drittes Geschlecht berücksichtigt werden. (m/w/d) hat sich als Praxis etabliert, um dieses Risiko abzudecken; andere neutrale Formulierungen sind ebenso zulässig.
Muss ich das Gehalt in der Stellenanzeige nennen?
Nicht zwingend in der Anzeige selbst: Artikel 5 Absatz 1 der Richtlinie (EU) 2023/970 verlangt die frühzeitige Information über das Einstiegsentgelt oder dessen Spanne, etwa in der Anzeige oder vor dem Vorstellungsgespräch. Welche Vorgaben in Deutschland konkret gelten, bestimmt die nationale Umsetzung; die Umsetzungsfrist lief am 7. Juni 2026 ab, ein deutsches Gesetz stand zu diesem Zeitpunkt laut Rödl & Partner weiterhin aus. Unabhängig davon beschleunigt eine echte Spanne in der Anzeige Bewerbungen schon heute. Job Studio schlägt beim Entwurf einer Anzeige automatisch eine Gehaltsspanne auf Basis von Marktdaten vor.
Wie lang sollte eine Stellenanzeige sein?
Kurz genug, dass jemand sie auf dem Smartphone in unter einer Minute liest. Für die meisten KMU-Rollen reichen sechs bis acht Absätze: Jobtitel, Unternehmen, eine Aufgabe, zwei bis drei K.-o.-Kriterien, Gehalt und Bewerbungsweg. Alles, was darüber hinausgeht, sollte auf die Karriereseite oder ins Vorstellungsgespräch.
Brauche ich zuerst eine Stellenbeschreibung oder reicht die Stellenanzeige?
Beides hat eine andere Aufgabe. Die Stellenbeschreibung legt intern fest, was die Rolle umfasst; die Stellenanzeige ist die öffentliche, werbende Fassung davon. Liegt Ihnen noch keine Stellenbeschreibung vor, eignet sich einer der 51 Rollen-Guides unter Stellenbeschreibungen als Ausgangspunkt für beides.
Trotz guter Anzeige kommen keine Bewerbungen – woran liegt das?
Prüfen Sie zuerst, ob die Anzeige überhaupt auf den passenden Kanälen sichtbar ist, bevor Sie den Text weiter überarbeiten. Der Leitfaden Keine Bewerbungen auf die Stellenanzeige führt durch Veröffentlichung, Reichweite und Bewerbungsformular.
Kann ich die Vorlage für jede Branche nutzen?
Ja, die Struktur ist branchenneutral. Für Formulierungen und Gehaltsangaben, die zu einer bestimmten Rolle passen, sind die rollenspezifischen Guides der genauere Ausgangspunkt. Veröffentlicht wird die fertige Anzeige dann über 10+ organische und 250+ bezahlte Jobbörsen, je nach Reichweitenbedarf.

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