Behavioral Interview
In einem Behavioral Interview schildern Kandidat:innen konkrete Situationen aus ihrer Vergangenheit, die für eine Aufgabe oder Kompetenz der Stelle relevant sind.
Nach einem konkreten Ereignis fragen
Eine Behavioral-Frage bittet um ein Erlebnis aus der Vergangenheit, statt nach einer allgemeinen Absicht zu fragen. Zum Beispiel: „Erzählen Sie von einer Situation, in der Sie nach kritischem Feedback einen Plan ändern mussten. Was haben Sie getan?“ So kann das Gespräch die eigene Handlung, den Kontext und das Ergebnis der Person klären.
Nach OPM fragen Behavioral-Fragen nach einem früheren Beispiel, situative Fragen dagegen nach einer hypothetischen Reaktion. Beide Fragetypen können Teil eines strukturierten Interviews sein.
Die STAR-Methode aus Sicht der Interviewenden
STAR steht für Situation, Task (Aufgabe), Action (Handlung) und Result (Ergebnis). Der National Careers Service erklärt die Methode für Bewerber:innen. Im Interview nutzen Sie sie umgekehrt: als Raster, das zeigt, welcher Teil einer Antwort noch fehlt.
Der OPM Structured Interview Guide von September 2008 setzt schon bei der Frage an. Sie soll Einzelheiten zur Situation, zur Aufgabe oder zum Kontext hervorbringen, zu dem, was die Person getan oder unterlassen hat, und zur Wirkung dieser Handlungen. Superlative wie „die schwierigste Situation“ oder „das letzte Mal“ helfen, bei einem einzigen Ereignis zu bleiben.
Auch die Beispiel-Nachfragen des Leitfadens folgen dieser Reihenfolge (hier sinngemäß übersetzt):
- Situation: „Wie ist es zu der Situation gekommen?“
- Handlung: „Wie haben Sie reagiert? Was haben Sie als Erstes getan?“
- Ergebnis: „Was ist daraus geworden? Würden Sie heute etwas anders sagen oder tun?“
Spricht jemand durchgehend von „wir“, trennt eine Nachfrage zur Handlung („Was war Ihr eigener Teil?“) den Beitrag der Person von dem des Teams.
Wo Nachfragen ihre Grenze haben
Wenn eine Antwort unklar bleibt, darf eine Nachfrage die Bedeutung präzisieren. Der OPM-Leitfaden empfiehlt dabei vergleichbare Gelegenheiten und eine gleichbleibende Bedeutung solcher Nachfragen; der Wortlaut darf sich an der Antwort orientieren. Legen Sie deshalb vor dem ersten Gespräch fest, welche Nachfragen je Frage zulässig sind. Eine Nachfrage sollte nicht für einzelne Kandidat:innen ein neues Kriterium schaffen.
STAR ist keine Bewertungsskala
Kandidat:innen müssen kein besonders glattes Vier-Schritte-Narrativ liefern, und eine überzeugend erzählte Geschichte belegt noch keine Kompetenz. Entscheidend ist, ob das Beispiel zum vorher festgelegten Kriterium passt.
Im OPM-Verfahren beschreiben Fachleute für jede Ausprägungsstufe einer Kompetenz typische Verhaltensbeispiele. Interviewende nutzen sie als Orientierung, nicht als starre Vorgabe. Bewertet wird direkt nach dem Gespräch, anhand von Notizen, die festhalten, was die Person tatsächlich gesagt hat.
Was Sie vor dem Gespräch festlegen
Ordnen Sie jede Frage einer für die Stelle relevanten Kompetenz zu und legen Sie fest, welche Informationen eine Antwort klären soll. Für Fähigkeiten, die direkt gezeigt werden müssen, kann eine Arbeitsprobe eine andere Art von Evidenz liefern. Vergleichen Sie anschließend nicht die Erzählkunst, sondern die festgehaltenen Beispiele im Verhältnis zum Kriterium.